Die Volvo-Schwestermarke Polestar greift in der elektrischen Oberklasse an. Um zu zeigen, wie weit man mit Batterie kommt, fuhr eine Flotte von Polestar 5 von Göteborg 6.200 Kilometer bis an den Rand der Sahara. Wir waren bei der Schlussetappe dabei.
Das Auto heißt schlicht 5. Es ist das fünfte Modell von Polestar, einst die Performance-Abteilung von Volvo, die unter dem Dach von Geely zur Marke wurde. Es zielt auf den Porsche Taycan und dessen Plattform-Bruder Audi e-tron GT. Die Variante Dual Motor (748 PS) kostet als Launch Edition 118.610 Euro, der ebenfalls mit zwei Motoren für Vorder- und Hinterachse antretende Performance (884 PS) 141.800 Euro.
Auffällig: Der Rückspiegel im Innern ist ein Bildschirm, weil eine Heckscheibe fehlt. Praktisch alle Einstellungen muss man per Touchscreen vornehmen. Die Menüführung ist aber weitgehend intuitiv. Am Sitzkomfort gibt’s nichts auszusetzen, die Massage-Funktion ist aber nur mit einem Nappa-Upgrade (zwischen 5.900 und 6.500 Euro) verfügbar. High-End-Sound von Bowers & Wilkins kostet beim Dual Motor 4.400 Euro extra.
Unterwegs ist bei Überholmanövern der Leistungsunterschied der Varianten zu spüren. Deutlicher wirkt sich die verstellbare adaptive Dämpfung im Performance-Modell aus. Auf den zum Teil schlechten Straßen im Hohen Atlas entlang des alten Karawanenwegs zwischen Marrakesch und Timbuktu drang kaum ein Schlag ins Innere. Vor allem schnelle Kurvenfahrten waren ein Vergnügen. Dabei ist die konventionelle Abstimmung nicht von schlechten Eltern. Der tiefe Schwerpunkt dank 112-kWh-Batterie löst den Widerspruch zwischen Dynamik und Komfort fast auf.
Nichts auszusetzen? Doch: Apple CarPlay fehlt. Sollte in dieser Preisklasse nicht passieren. Und die elektronischen Helfer lassen nicht komplett los. Selbst deaktiviert wollte der Spurhalte-Assistent vereinzelt eingreifen. Lästig – und eigentlich per Software-Update korrigierbar. Die laut Hersteller möglichen 250 km/h Spitzengeschwindigkeit waren auf unserer Fahrt ein eher theoretischer Wert. Wichtiger ist die enorme Spurtkraft mit 3,9 Sekunden von null auf 100 km/h. Als Reichweite sind 678 Kilometer (Performance 578 Kilometer) angegeben. Die 350 kW Ladeleistung sollten angesichts besserer Daten vieler Wettbewerber aber nicht das letzte Wort sein. MARTIN PREM