Für Ljudmila Sinkovic ist die Sache klar: „Piran ist die schönste Stadt an der slowenischen Küste“, sagt die Deutschlehrerin, die auch als Gästeführerin arbeitet.
Nun ist die slowenische Küste nicht besonders lang, gerade mal 46,6 Kilometer, um genau zu sein. Eine eher kurze Strecke also, auf der es nur wenige Konkurrenten gibt, die sich mit Portorož, Izola, Koper und Ankaran dafür ganz schön drängeln. Und doch haben sich die Reize des denkmalgeschützten Piran auf der schmalen Landzunge längst herumgesprochen. Wer auf dem Tartiniplatz, dem „Wohnzimmer von Piran“, ein Selfie macht, wird selten allein im Bild zu sehen sein.
Dass Piran sich zur Schönheit entwickeln konnte, hat viel mit einem alten Handwerk zu tun – der Salzgewinnung vor den Toren der Stadt.
Junge Geliebte und
böse Zungen
Doch zunächst ein Stadtrundgang. Die Häuser am Tartiniplatz erzählen die Geschichte von Piran. Da ist etwa das Geburtshaus von Giuseppe Tartini, dem bekanntesten Sohn der Stadt, ein Violinist, der das Geigenspiel revolutionierte.
Auffälliger noch ist etwas weiter links ein Prachtbau mit Eckbalkon und gotischen Elementen. Der Legende nach traf sich hier ein reicher venezianischer Kaufmann mit seiner jungen Geliebten aus Piran. „Böse Zungen hatten viel zu tun“, sagt Sinkovic. Denn der Kaufmann war verheiratet, scherte sich allerdings nicht um die Gerüchteküche. „Lass sie reden“, lautete seine Antwort, gemeißelt in die Fassade.
Das größte Haus am Platz ist das Rathaus. Einst stand hier ein venezianischer Palast, doch der wurde von den Habsburgern 1877 abgerissen. Geblieben ist der Markuslöwe in der Mitte der Fassade, mit einer Pranke auf einem Buch, das Machtsymbol der Republik Venedig. Hinter dem Tartiniplatz beginnt das Gewirr der Altstadtgassen. „Man kann sich verlaufen, aber irgendwann kommt man zum Meer oder zum Tartiniplatz“, so die Gästeführerin. Wer sich jedoch nur treiben lässt, läuft Gefahr, das Schmuckstück Pirans zu verpassen: den Kreuzgang des Minoritenklosters St. Franziskus.
Eine Kopie aus Venedig
Mit Glück hat man diesen Ort der Ruhe sogar ganz für sich alleine. Und auch die Kirche selbst lohnt einen Blick, vor allem das Gemälde „Madonna mit den Heiligen“, von Vittore Carpaccio, Maler der Frührenaissance.
Die roten Dächer der Altstadt werden überragt von der Pfarrkirche St. Georg. Der Glockenturm gewährt – ähnlich wie die Türme der Stadtmauer – einen Top-Blick auf Piran. Es handelt sich um eine Kopie des Glockenturms auf dem Markusplatz in Venedig, wobei Sinkovic darauf hinweist, dass die Kopie älter ist als das Original. Denn der Campanile in Venedig stürzte 1902 ein, wurde rekonstruiert. Oben auf dem Turm thront mit ausgebreiteten Flügeln eine bewegliche Statue: Erzengel Michael. „Schaut er Richtung Triest, wird das Wetter schön, schaut er zum Hafen, wird es schlecht.“ 2018 wurde ein Flügel bei einem Sturm abgerissen und landete auf dem Tartiniplatz. Bis er per Hubschrauber wieder zurückgebracht wurde, konnten die Piraner den gut drei Meter hohen Erzengel aus der Nähe bewundern.
Dank Salz zur Blüte
Dass Piran zur schillerndsten Perle an der slowenischen Riviera werden konnte, verdankt die Stadt dem Salz. Am Georgstag, dem 23. April, zogen früher Piraner Familien für mehrere Monate mit Kind und Kegel in die gut fünf Kilometer entfernten Salinen von Secovlje, um dort das weiße Gold zu gewinnen. Jährlich wird das mit einem Volksfest gewürdigt.
Salz war ein kostbares Handelsgut, wichtig für die Konservierung von Lebensmitteln. Heute sind die Salinen von Secovlje ein Naturpark. Salz wird nur in Lera gewonnen, dem nördlichen Teil der Salinen. Wie vor 700 Jahren lassen die Arbeiter das Meerwasser verdunsten und schieben dann das Salz mit Holzschabern zusammen. Gut 1500 Tonnen werden so von April bis August geerntet. Hinzu kommen rund 35 Tonnen der besonders begehrten Salzblüte, die von der Oberfläche der Sole mit Sieben abgeschöpft wird.
Der weltbeste Fisch
Eine Prise dieses feinen Salzes krönt auch den Appetithappen, den Irena Fonda uns reicht. Wir sind in der „Fonda Fischfarm“. Die Biologen-Familie hat sich nicht weniger vorgenommen als hier „den besten Fisch der Welt zu züchten“. Der hier gezüchtete Wolfsbarsch, „brancin“, wächst in Becken heran, denen sich die Besucher mit dem Boot nähern.
Auch das Restaurant Marina in Portorož hat Fonda-Fisch auf der Karte. Und dazu Š‘torta, die populäre Tortenkreation eines Sternekochs aus Piran mit Olivenmousse, Karamell und Salz. Trüffel, das wohl bekannteste Produkt aus istrischer Erde, lassen sich Feinschmecker in Padna schmecken, einem Bergdorf im Hinterland Pirans. In der Gold Istra Residence werden die Trüffel frisch übers Essen gehobelt. Die Rohware liefert Dario Bencic, ein pensionierter Verkehrspolizist, der seit über 40 Jahren nach der edlen Knolle buddelt, begleitet von einem seiner vier Hunde – und manchmal auch von einem Gast. Wolfgang Stelljes/dpa