Der weltweite Immobilienmarkt ist mit einem geschätzten Gesamtwert von fast 400 Billionen US-Dollar die größte Anlageklasse der Welt. Deutschland ist dabei im Wohninvestmentmarkt die Nummer eins in Europa. Erstaunliche Erkenntnisse in schwierigen Zeiten. Doch inwiefern beeinflussen hohe Investments das tatsächliche Wohnen dahinter – und bedeuten positive Zahlen auch generell Positives für das gesamte Wohnsegment?
4,3 Milliarden Euro
Transaktionsvolumen
Die aktuelle Investmenthöhe kann sich jedenfalls sehen lassen. Der gewerbliche Wohninvestmentmarkt in Deutschland hat nach Zahlen des internationalen Investmentmanagement-Unternehmens Jones Lang LaSalle (JLL) das erste Halbjahr 2026 mit einem Transaktionsvolumen von 4,3 Milliarden Euro abgeschlossen. Damit hat er sich auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums (4,4 Milliarden Euro) stabilisiert. Das zweite Quartal verzeichnete mit 2,6 Milliarden Euro einen deutlichen Anstieg des Investmentvolumens im Vergleich zum Vorquartal um 58 Prozent. Der Umsatz des Vorjahresquartals (2,1 Milliarden Euro) wurde um etwas mehr als ein Viertel übertroffen. „Die Volumenentwicklung ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert – zum einen angesichts der Phase erhöhter geopolitischer Unsicherheit durch die Iran-Krise, zum anderen, weil sich dieses Ergebnis sowohl auf einen Anstieg des Volumens als auch auf eine stabile Anzahl an Transaktionen stützt“, kommentierte Michael Bender, Chef für den Bereich Wohnen bei JLL Deutschland.
Doch profitiert der Wohnbereich automatisch, wenn die Investitionen hoch sind? Die Antwort ist ein „Sowohl als auch“: Auf der einen Seite ist dieses Kapital oft essenziell, um Neubau und energetische Sanierungen zu finanzieren. Auf der anderen Seite können hohe Investitionen auch die Mietpreisspirale in immer größere Höhen schrauben. Zudem ist auch einer der wichtigsten Gründe für die hohe Nachfrage nach Investments problematisch. Denn diese speist sich hierzulande unter anderem aus der ebenfalls hohen Nachfrage nach Wohnraum – aufgrund der Wohnraumknappheit. Kurz gesagt: Je mehr es an Wohnungen fehlt, desto mehr steigt die vorhandene Immobilie an Wert. Eine schleppende Neubautätigkeit kann so – den Gesetzen des Marktes folgend – am Investmentmarkt sogar zu höheren Renditen führen.
Christoph Kastenbauer