Dass manches im Staat nicht mehr so reibungslos funktioniert wie früher, merken die Menschen schon, wenn sie morgens in den öffentlichen Nah- und Fernverkehr eintreten. Staus aufgrund schleppend vorankommender Baustellen, verspätete Nah- und Fernzüge aufgrund eines maroden Schienennetzes. Und das ist längst nur die Spitze des Eisbergs. In Zeiten einer immer mehr zunehmenden Wohnraumknappheit ist es der Staat, der aufgrund überlasteter Verwaltungen diese Knappheit sogar noch verschärft, anstatt sie zu lösen. Dieser Meinung ist jedenfalls Professor Stephan Kippes, leitender Marktforscher beim Immobilienverband Deutschland (IVD) Süd.
„Staat produziert
Leerstand“
„Der Staat geht zu Recht gegen Eigentümer vor, die Wohnungen leer stehen lassen. Doch gleichzeitig produziert er selbst in erheblichem Stil genau diesen Leerstand – durch ineffiziente Verwaltung und chronisch überlastete Nachlassgerichte“, erklärte Kippes im Rahmen einer Pressemeldung.
Gerade bei Erbfällen zeige sich dieses Versagen besonders deutlich: Es sei keine Ausnahme, sondern Realität, dass Immobilien über Jahre hinweg blockiert seien, weil Verfahren nicht vorankämen. „Wohnungen stehen leer, gammeln vor sich hin und büßen an Wert ein, während Menschen händeringend Wohnraum suchen.“ Dieser Mangel an staatlicher Verwaltung betrifft dabei laut Kippes längst nicht nur die Mieter. Denn natürlich ist die leerstehende Wohnung auch für den Eigentümer ein ernstes Problem. Denn der zahlt weiter für Instandhaltung, Steuern und Nebenkosten – ohne jede Einnahme.
Laut Statistischem Bundesamt gibt es hierzulande etwa 1,7 bis 1,9 Millionen leerstehende Wohnungen. Davon sind etwa 40 Prozent marktaktiv, also sofort oder kurzfristig vermietbar. Der Rest sind unsanierte Problemimmobilien, Abrisshäuser oder Leerstand aus anderen Gründen. Unter diese Gründe fallen wohl auch die sich ewig hinziehenden Erbfälle bei Immobilien.
„Das ist leider kein Einzelfall, sondern ein systematisches Problem, das dringend angegangen werden muss“, erklärte Kippes. Der Marktanalyst fordert in diesem Zusammenhang dringend kürzere Bearbeitungszeiten. Solange Nachlassverfahren Jahre dauern würden, bleibe jede Diskussion über Wohnraummangel unvollständig. Christoph Kastenbauer