Kein Unfall, keine Baustelle – plötzlich geht auf der Autobahn nichts mehr. Wenige Kilometer später löst sich der Stau wieder auf, ohne dass eine Ursache zu erkennen wäre. Solche sogenannten Stauwellen entstehen vor allem dann, wenn zu viele Fahrzeuge gleichzeitig auf einer Strecke unterwegs sind.
Eine Bremsung löst die
Kettenreaktion aus
Besonders anfällig sind Anschlussstellen und Steigungen. Dort fahren Fahrzeuge langsamer, die Verkehrsdichte nimmt zu. Muss ein Auto bremsen, reagieren auch die nachfolgenden Fahrer. Die Verzögerung setzt sich nach hinten fort, bis schließlich ein Fahrzeug zum Stillstand kommt.
Die daraus entstehende Stauwelle bewegt sich laut Verkehrsforscher Michael Schreckenberg mit etwa 12 bis 15 Kilometern pro Stunde entgegen der Fahrtrichtung. Sie kann sich eine halbe Stunde oder länger halten und sich sogar rückwärts über Autobahnkreuze auf andere Strecken ausbreiten.
Tückisch ist, dass häufig mehrere Wellen hintereinander entstehen. Nach dem ersten Stillstand beschleunigen viele Fahrer wieder stark, rechnen aber nicht mit dem nächsten Stauende. Dadurch steigt die Gefahr von Auffahrunfällen.
Steigungen werden oft
unterschätzt
Ein typisches Beispiel ist der Hamburger Elbtunnel. Zunächst geht es bergab, anschließend wieder bergauf. Viele Fahrzeuge verlieren dabei unbemerkt an Geschwindigkeit. Nachfolgende Fahrer müssen stärker bremsen und lösen damit eine Kettenreaktion aus.
Bleibt ein Fahrzeug vollständig stehen, kommt eine zusätzliche Verzögerung hinzu. Bis es wieder anfährt, vergehen laut Schreckenberg rund zwei Sekunden. Bei dichtem Verkehr reicht das aus, um die Stauwelle weiter zu verstärken.
Abstand halten statt
ständig die Spur wechseln
Verhindern lassen sich solche Staus nicht vollständig. Mit vorausschauendem und gleichmäßigem Fahren könnten sie jedoch deutlich reduziert werden. Wer auf die Autobahn auffährt, sollte seine Geschwindigkeit möglichst früh an den fließenden Verkehr anpassen. So müssen Fahrzeuge auf der rechten Spur nicht abrupt abbremsen.
Auch ausreichender Abstand ist entscheidend. Kleine Geschwindigkeitsunterschiede lassen sich dadurch ausgleichen, ohne dass sofort gebremst werden muss. Häufige Spurwechsel verschärfen dagegen die Lage, weil andere Verkehrsteilnehmer zum Verzögern gezwungen werden. Einen nennenswerten Zeitgewinn bringen sie Untersuchungen zufolge nicht.
Schreckenberg schätzt, dass sich zehn bis zwanzig Prozent aller Staus vermeiden ließen, wenn Verkehrsteilnehmer kooperativer, vorausschauender und weniger hektisch fahren würden.