Wenn am Mühldorfer Traditionsvolksfest die Masskrüge klingen, zieht eine Frau im Hintergrund bereits zum vierten Mal die Fäden im Innbräuzelt: Festwirtin Anna-Katharina Lohner. Im Interview spricht sie über den ganz normalen Volksfest-Wahnsinn, veränderte Gewohnheiten der Besucher, warum sie heuer ihren Schrittzähler lieber nicht im Auge behält und was ausgerechnet ein Gurkenglas mit ihrem bisher schrägsten Volksfest-Moment zu tun hat.
Das Volksfest steht vor der Tür. Auf welche großen Neuerungen dürfen sich die Besucher im Innbräuzelt heuer freuen?
Bei uns gilt in diesem Jahr weitgehend: Wir bleiben dem Bewährten treu! Warum sollte man auch ändern, was sich erfolgreich etabliert hat? Eine Neuerung gibt es allerdings am Kindertag: Anstatt der klassischen Verlosung veranstalten wir heuer ein großes Mitmachkonzert für die ganze Familie.
Sie sind bekannt dafür, während der Festtage unzählige Kilometer auf dem Zeltboden zurückzulegen. Wird Ihr Schrittzähler dieses Jahr neue Rekorde brechen?
(lacht) Ich hoffe inständig nicht! Ich bin heuer nämlich wieder schwanger und habe zudem meistens noch ein Baby auf dem Arm. Ich würde es also dieses Mal gerne etwas ruhiger angehen lassen und liebend gerne auf neue Schritt-Rekorde verzichten. Ende September ist es ja bereits so weit. Das bedeutet: Hochschwanger auf dem Volksfest, genau wie im letzten Jahr!
Gibt es dafür überhaupt die passende Garderobe?
Oh ja, das geht! Es gibt tatsächlich ganz wunderbare Umstandsdirndl.
Wenn Sie das Innbräuzelt jemandem beschreiben müssten, der noch nie in Mühldorf war, welche Worte würden Sie wählen?
Offen und absolut heimelig. Für mich ist es im Zelt einfach wie ein Stück Zuhause. Dieses familiäre, herzliche Gefühl macht uns aus.
Eine organisatorische Änderung auf dem Festplatz betrifft den heutigen Tag: Erstmals gibt es den „Tag des Landkreises“. Wie kam es dazu?
Da das Spatenzelt heuer etwas kleiner ausfällt, wurden die Thementage etwas umgestellt. Der Tag der Senioren findet nun beim Erhartinger statt, und wir haben die beiden Großtage somit fair aufgeteilt.
Welche Rolle spielen heimische Produkte in Ihrem Zelt?
Eine riesengroße! Das liegt uns ja auch im Blut, schließlich kommen wir ursprünglich aus einer regionalen Landwirtschaft. Aus eigener Erzeugung kommt ein Teil unserer Hähnchen, und auf den Brotzeitplatten landen ausnahmslos Eier von unseren eigenen Hühnern. Für das Bier gilt das gleiche. Auch hier setzen wir mit Innbräu auf eine Mühldorfer Brauerei.
Welches Gericht ist ihr persönlicher Klassiker?
Ganz klar: der Gickerl! Damit hat damals bei uns alles angefangen, der war schon immer da und bleibt unser unangefochtenes Aushängeschild.
Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Reservierungen und Spontanbesuchern?
Über unser Online-Reservierungsportal oder per E-Mail kann man ganz unkompliziert vorab buchen. Uns ist aber extrem wichtig: Es wird niemals das komplette Zelt ausreserviert! Wir halten immer einen spürbaren Teil an Plätzen für Spontanentschlossene frei, die vielleicht gar keinen ganzen Tisch brauchen. Und wer am stark frequentierten „Tag der Betriebe“ noch einen Platz sucht, kann sich einfach bei uns im Festbüro melden. Wir rücken zusammen und finden eigentlich für jeden noch ein gemütliches Eck.
Ist die Dekoration schon fertig geplant?
Die Deko ist bei uns Chefsache. Im August fahre ich wie jedes Jahr für ein paar Tage zu einer Freundin in die Hallertau und hole den frischen Hopfen direkt von dort. Das steht also noch auf meiner To-DoListe.
Wie sieht es mit der Musikerauswahl aus?
Für mich gehört auf ein traditionelles Volksfest einfach echte, traditionelle Blasmusik. Wir setzen auch hier konsequent auf Regionalität und verzichten bewusst auf große, teure Star-Buchungen. Stattdessen spielen bei uns die Blaskapelle der Stadt Mühldorf, die Altmühldorfer, die Aschauer oder die Brotzeitmusik-Musik aus Hebering. Mittags gibt es gemütliche Wirtshausmusik, und abends darf es zum Ausklang natürlich auch mal ein bisschen wilder werden.
Wie hat sich das Verhalten der Festbesucher verändert?
Ganz deutlich beim Bierkonsum. Es wird im Durchschnitt schlichtweg weniger Alkohol getrunken. Früher hieß es oft, pro Kopf werden zwei bis drei Mass getrunken. Das ist heute nicht mehr so. Dafür erleben die alkoholfreien Getränke einen absoluten Boom. Im letzten Jahr haben wir mindestens die dreifache Menge an alkoholfreiem Bier im Vergleich zu früher gebraucht. Da passt es natürlich perfekt, dass das InnBräu mittlerweile ein hervorragendes Alkoholfreies im Sortiment hat.
Was war in Ihren bisherigen vier Jahren als Festwirtin der außergewöhnlichste Moment?
Im letzten Jahr musste ich mir den letzten Volksfest-Montag gezwungenermaßen über das Handy-Display im Livestream anschauen. Ich lag da nämlich wegen der anstehenden Geburt schon im Krankenhaus! (lacht)
Und was die skurrilsten Extrawünsche im Zelt angeht: Wir mussten beim Weißblauen Stammtisch tatsächlich schon einmal eine Mass Bier in ein großes Gurkenglas umfüllen, weil ein Gast sein Bier unbedingt so als Souvenir mit nach Hause nehmen wollte. Auch das ist Volksfest!