Am Anfang ist es rein um den Klassenerhalt gegangen – die Tennisspieler von 1860 Rosenheim wollten eigentlich nur eine ruhige Bundesliga-Saison spielen, dem Heimpublikum spektakuläre Begegnungen bieten und frühzeitig für Klarheit in Sachen Liga-Verbleib sorgen. Am Ende kam dann alles ganz anders.
Unaufhaltsam marschierten die Rosenheimer an die Tabellenspitze der stärksten Tennis-Liga der Welt – und ließen sich dann nicht mehr stoppen. Der deutsche Meistertitel für die Mannen von der Mangfall ist sicherlich eine der größten Überraschungen im deutschen Ligasport in den letzten Jahren.
Rosenheimer dürfen
auswärts jubeln
Mit einem 3:1 nach den Einzeln am 9. Spieltag in Mannheim war der entscheidende Punkt zur Meisterschaft aus eigener Kraft gesichert. Da der Verfolger Bredeney parallel schon sicher gegen Neuss verloren hatte, konnten die Rosenheimer bereits früh jubeln und die Mannheimer Gastgeber haben dann direkt die Pokalübergabe auf dem Center Court ermöglicht.
Als der große Moment gekommen war, da musste sich Lukas Jastraunig mächtig am Riemen reißen. „Ich war gerade beim Coaching von Federico Gomez, als ich die Jubelschreie der Fans gehört habe“, berichtet der Teamkapitän. Die zum Auswärtsspiel nach Mannheim mitgereisten Rosenheimer Anhänger hatten natürlich im Livescore mitverfolgt, dass Verfolger TC Bredeney im Heimspiel Federn ließ und die Sechziger damit vorzeitig den größten Erfolg in ihrer Vereinsgeschichte errungen hatten.
Der letzte Spieltag in Mannheim war spannungsgeladen. In der ersten Runde musste Thiago Monteiro gegen den Spanier Bernabe Zapata Miralles spielen und ließ sich nichts vom Druck anmerken. Der Brasilianer spielte bis zum Ende solide durch und gewann klar mit 6:3 und 6:3. Hugo Dellien hatte am Center Court im Spitzeneinzel etwas mehr zu kämpfen, denn Lokalmatador Max Rehberg spielte angetrieben von den ungefähr 3500 Zuschauern ein starkes Niveau und erzwang mit 6:7 und 6:4 einen Match-Tiebreak. Doch auch viele Rosenheimer Fans hatten den Weg nach Mannheim gefunden und Dellien zeigte im entscheidenden Moment seine größere Erfahrung und sicherte mit 10:3 den zweiten Punkt für die Gäste.
Damit war der Grundstein gelegt und man brauchte nur noch einen weiteren Punkt zur Meisterschaft. Lorenzo Giustino konnten diesen an Position zwei nicht sichern, gegen den Spanier Daniel Rincon verlor er mit 6:7 und 1:6. Federico Gomez machte es dann am Center Court richtig spannend: Nachdem er den ersten Satz gegen Max Schönhaus mit 6:4 gewinnen konnte, verlor er den zweiten Satz mit 3:6. Dann fand er genau zum richtigen Zeitpunkt wieder zu seinem Spiel und sicherte ganz eng mit 12:10 die Meisterschaft.
„Dann ist es natürlich richtig abgegangen“, erzählt Thomas Detterbeck, Manager Bundesliga bei den Sechzigern. „Wir haben ausgiebig gefeiert“, meinte er. Während Detterbeck wegen beruflicher Termine am Montagmorgen schon wieder in Rosenheim aufschlug und auch Jastraunig noch in der Nacht an die Mangfall zurückgekehrt war, verbrachte Vorstand Dieter Dörfler gemeinsam mit feierwütigen Teammitgliedern die Nacht in Mannheim. Und der Meister-Pokal? „Der war bei Familie Dörfler im Zimmer“, erzählte der Tennis-Boss.
Gerade an seiner Person lässt sich das „Wunder von Rosenheim“ festmachen. Dörfler hat den Werdegang quasi Spiel für Spiel mitgemacht. „Eigentlich war ja schon die Teilnahme an der Bundesliga die Erfüllung des Ganzen“, sagt Dörfler. Vor 20 Jahren hat dieser Weg in der Bezirksliga angefangen, die Sechziger hatten ihr Team aus der Bayernliga abgemeldet.
Damals neu hinzugekommen: Lukas Jastraunig. Es entstand eine besondere Verbindung. Jastraunig erinnert sich: „Ich habe den Didi da noch als Mitspieler kennengelernt. Und jetzt sind wir gemeinsam Bundesliga-Meister – das ist schon heftig!“
Vor zehn Jahren ist Thomas Detterbeck hinzugekommen, damals waren die Sechziger schon in der 2. Bundesliga angelangt. Was ihn jetzt, beim großen Triumph, besonders freut: „Dass wir das mit unserem Weg und mit unseren Sponsoren geschafft haben, ohne einen großen Mäzen von außerhalb.“
Erfolg in der
stärksten Liga der Welt
Denn: „Die deutsche Tennis-Bundesliga ist vom Spielerpotenzial her die stärkste Liga der Welt. Und dass wir da jetzt Meister geworden sind, das ist wirklich beeindruckend.“
Was seinen Kollegen Dörfler noch mehr fasziniert: „Dass uns so viele Leute unterstützt haben. Von den vielen Helfern und den Sponsoren angefangen, bis hin zu den Leuten, die in Mannheim mit dabei waren und angefeuert haben.“
Und auch sonst haben viele Leute mitgefiebert: „Gott und die Welt schreiben jetzt“, erzählt Dörfler, unter anderem auch Löwen-Fußballer Florian Niederlechner. Auch frühere Akteure wie Rainer Eitzinger und Matteo Viola hätten sich gemeldet. „Das zeigt, dass wir schon immer eine gute Atmosphäre im Team hatten“, so Dörfler.