E-Autofahren ist einfach: Einsteigen, Fahrstufe wählen, los geht‘s. Abwürgen gibt es nicht, schalten ist unnötig. Trotzdem sollten Umsteiger die ersten Kilometer vorsichtig angehen.
Denn E-Autos reagieren in einigen Situationen anders als Verbrenner. Eine neue Studie der Unfallforschung der Versicherung (UDV) sieht bei Elektroautos ein signifikant erhöhtes Risiko von Pedalfehlbedienungen. Als mögliche Ursachen nennen die Forscher die Verwechslung von Fahr- und Bremspedal, verzögerte Reaktionen beim schnellen Wechsel aufs Bremspedal und die unmittelbar abrufbare Beschleunigungsleistung vieler E-Autos. Besonders gewöhnungsbedürftig ist das sogenannte One-Pedal-Driving. Dabei wird das Auto überwiegend über das Fahrpedal gesteuert: Beim Treten beschleunigt es, beim Lupfen verzögert es. Das kann in Stresssituationen ein Risikofaktor sein.
Umsteiger sollten One-Pedal-Drive in Ruhe ausprobieren. Beim Rangieren, Rückwärtsfahren oder Einparken empfiehlt sich ein besonders vorsichtiger Umgang mit dem Fahrpedal. Wer sich unsicher fühlt, kann die Rekuperation meist schwächer einstellen oder einen konventionelleren Fahrmodus wählen.
Auch die hohe Leistung vieler Elektroautos verlangt Eingewöhnung, denn schon ein kurzer Tritt aufs Pedal kann kräftige Beschleunigung auslösen. Besonders bei Nässe, in Kurven oder auf engem Raum sollte man sich nicht von der vehementen Kraftentfaltung überraschen lassen.
Ein weiterer Punkt betrifft Fußgänger und Radfahrer. Elektroautos sind vor allem bei niedriger Geschwindigkeit akustisch schlechter wahrnehmbar. Zwar müssen neue E-Autos mit einem künstlichen Warnsound ausgestattet sein, doch diese Fahrgeräusche werden laut UDV teils als zu leise oder nicht eindeutig zuordenbar wahrgenommen. Blickkontakt, langsames Heranrollen und bremsbereite Fahrweise sind hier wichtig.
Das gilt auch für Situationen, in denen das Auto steht, aber fahrbereit ist. Bei Verbrennern verrät der Motorlauf oft, dass ein Fahrzeug gleich losfahren könnte. Beim E-Auto fehlt dieser Hinweis. Wer auf Parkplätzen oder in verkehrsberuhigten Bereichen startet, sollte deshalb besonders genau prüfen, ob Fußgänger oder Radler in der Nähe sind. H. HOLZER/SP-X