Der Berliner Mietendeckel und die anhaltende Unsicherheit über staatliche Eingriffe wirken bis heute nach, obwohl das Bundesverfassungsgericht ihn 2021 gekippt hat. Das zeigt eine neue Studie des ifo Instituts. Drei Jahre nach dem Ende des Mietendeckels liegt das Verhältnis von Kaufpreisen zu Mieten in Berlin laut ifo-Forscher Mathias Dolls rund 10 bis 15 Prozent unter dem Wert, den die Entwicklung anderer Großstädte erwarten ließe. Mietendeckel und Enteignungsdebatte hätten Neubau und Sanierungen deutlich gebremst. Darauf wird in einer aktuellen ifo-Pressemeldung verwiesen.
Nach dem Aus des Mietendeckels erhöhten vor allem private Vermieter die Angebotsmieten kräftig. Wohnungsunternehmen verkauften dagegen zahlreiche Wohnungen an landeseigene Gesellschaften, erklärt ifo-Forscher Florian Neumeier. Zugleich ging die Neubau- und Sanierungstätigkeit zurück, besonders bei großen Anbietern. Private Haushalte bauten zwar mehr, konnten den Rückgang jedoch nicht ausgleichen.
Seit 2023 liegen die Angebotsmieten 10 bis 15 Prozent über dem Niveau, das ohne Mietendeckel und Enteignungsdebatte zu erwarten wäre. Die Kaufpreise stiegen dagegen schwächer und blieben deutlich unter dem Durchschnitt anderer Großstädte. Grundlage der Studie sind rund 2,3 Millionen Miet- und 1,1 Millionen Kaufangebote in den 14 größten deutschen Städten von 2017 bis 2024 sowie Daten zur Bautätigkeit. Ergänzend entwickelten die Autoren aus Artikeln in 230 Zeitungen einen Index wohnungspolitischer Unsicherheit. Ko-Autorin Carla Krolage zufolge steigt diese in Berlin deutlich, sobald über Mietendeckel oder Enteignung diskutiert wird – mit Folgen für das Verhalten der Investoren. Damit lasse sich der Effekt der Berliner Wohnungspolitik auf Preise und Bauaktivität belastbar abschätzen. Bodo-Klaus Eidmann