Ziel des Projekts ist, Kunststoffabfälle aus Laboren und Praktika nicht mehr zu entsorgen, sondern direkt an der Hochschule wiederzuverwerten. Die Materialien werden sortiert, aufbereitet und anschließend erneut im Studienbetrieb eingesetzt.
Kaskadennutzung für
Kunststoffe sehr wichtig
Das Thema gewinnt zunehmend an Bedeutung: Kunststoffe werden überwiegend aus Erdöl hergestellt. Gleichzeitig steigt die weltweite Kunststoffproduktion seit Jahren an. Noch werden die meisten Kunststoffe direkt nach der Nutzung verbrannt. Dies ist jedoch nicht nötig. Die meisten Kunststoffe können wiederholt geschreddert, neu aufgeschmolzen und in eine neue Form gebracht, also recycelt, werden. Jede Wiederverwendung verbessert die Ökobilanz. Recycling gilt deshalb als wichtiger Baustein im Klimaschutz, weil weniger neues Kunststoffgranulat produziert werden muss und Rohstoffe länger im Kreislauf bleiben.
Etwa zehn Tonnen Kunststoffabfälle pro Jahr
Im Studiengang Kunststofftechnik führen Studierende und Promovierende zahlreiche Praktika und Versuche durch, in denen sie verschiedene Verfahren der Kunststoffverarbeitung kennenlernen und selbst anwenden. Dabei und im Rahmen von Forschungsarbeiten fallen jährlich rund zehn Tonnen Kunststoffabfälle an.
Mit der neuen Recyclinglinie werden diese Materialien nun systematisch wiederverwertet und direkt in den Lehr- und Forschungsbetrieb zurückgeführt. Der Recyclingkreislauf wird so im Studienalltag erfahrbar.
„Wir haben bereits herausgefunden, dass Material unter bestimmten Umständen mehr als zehn Mal wiederverwertet werden kann. Das kann eine ganze Menge an Rohstoffen einsparen“, erläutert Professorin Dr.-Ing. Nicole Strübbe, Leiterin des Studiengangs Kunststofftechnik. „Unsere Laborausstattung ist erstklassig. Wir verfügen über modernste und teilweise in Europa sehr seltene Messinstrumente“, betont die Vizepräsidentin der TH Rosenheim.
Neues Gebäude auf dem
Campus Rosenheim
Möglich wurde das Projekt durch die Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz sowie der Nationalen Klimaschutzinitiative. Mit den zur Verfügung gestellten Mitteln wurde unter anderem ein neues Gebäude auf dem Campus Rosenheim gebaut, das für Lehrveranstaltungen, Praktika und externe Besuche genutzt wird. So erhalten zum Beispiel Unternehmen konkrete technische Impulse für eigene Recyclinglösungen.
Technische Hochschule
Rosenheim als Vorbild
„Wir denken weit über unsere Hochschule und die Region hinaus“, führt Professorin Strübbe aus. „Für die Projektlaufzeit von drei Jahren erwarten wir an der Technischen Hochschule Rosenheim eine Einsparung von etwa 90 Tonnen Kohlenstoffdioxid. Wenn man das Konzept auf Unternehmen in Südostoberbayern sowie auf die Hochschulen und Universitäten in ganz Deutschland ausweiten würde, ließen sich über 90.000 Tonnen des Treibhausgases einsparen“, schätzt die Expertin.