KI braucht Hirn

von Redaktion

„Lohnt sich ein Informatikstudium überhaupt noch? Bald macht das doch alles die KI.“ Diese Frage beschäftigt derzeit viele Studieninteressierte, auch an der Fakultät für Informatik der TH Rosenheim. Die Antwort lautet: Ja. Denn KI braucht Hirn – Menschen, die Systeme verstehen und Verantwortung übernehmen.

Künstliche Intelligenz schreibt heute Programme, beantwortet Fragen und entwickelt Software. Schlagzeilen über KI-Systeme, die Programmierer ersetzen, prägen die öffentliche Diskussion und verunsichern viele junge Menschen.

Informatik ist weit mehr
als Schreiben von Codes

Tatsächlich verändert KI die Softwareentwicklung rasant. Systeme wie Claude oder GitHub Copilot können bereits große Teile des Programmierens unterstützen. Wer daraus jedoch schließt, Informatikerinnen und Informatiker würden bald überflüssig, zieht den falschen Schluss. Denn Informatik ist weit mehr als das Schreiben von Programmcodes. Genauso wenig wie Maschinenbau nur aus Schweißen oder Elektrotechnik nur aus Löten besteht, erschöpft sich Informatik nicht im Programmieren.

Dank KI mehr Zeit für
Lösungen von Problemen

Softwareentwicklung bedeutet, Probleme zu verstehen, Anforderungen zu analysieren, mit Nutzern und Auftraggebern zu kommunizieren und Verantwortung für komplexe Systeme zu übernehmen. Gerade mit dem zunehmenden Einsatz von KI gewinnen diese Fähigkeiten an Bedeutung. 

„Mit KI können Studierende heute in kurzer Zeit funktionierende Prototypen entwickeln“, sagt Informatikprofessor Dr. Gerd Beneken. Dadurch bleibe mehr Zeit, Ideen, Nutzerbedürfnisse und die Qualität der Lösungen in den Mittelpunkt zu stellen. KI beschleunige die Umsetzung, ersetze aber nicht das Verständnis eines Problems.

Auch die Rolle von Softwareentwicklerinnen und Softwareentwicklern verändert sich. „KI nimmt uns vor allem das Tippen ab, nicht das Denken“, sagt Josef Adersberger, Geschäftsführer der QAware GmbH. Entscheidend blieben technisches Urteilsvermögen, Empathie und die Fähigkeit, komplexe Entscheidungen zu treffen. Wer Verantwortung für ein System übernehme, das von vielen Menschen genutzt werde, könne diese nicht an ein Sprachmodell delegieren.

Fundierte Informatikkennt-
nisse bleiben wichtig

Paradoxerweise macht KI genau jene Fähigkeiten wertvoller, die sich nicht automatisieren lassen. „KI ist in unseren Informatikstudiengängen bereits heute ein wichtiger Bestandteil der Lehre – als unterstützendes Werkzeug ebenso wie als fachlicher Inhalt“, sagt Professorin Dr. Silke Lechner-Greite, Dekanin der Fakultät für Informatik. Gleichzeitig bleibe der Aufbau fundierter Informatikkompetenzen entscheidend, um KI sinnvoll einzusetzen und kritisch zu bewerten.

Lernen, eine Welt
mit KI zu gestalten

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Informatikerinnen und Informatiker künftig noch gebraucht werden. Sie lautet: Welche Kompetenzen sie mitbringen müssen. Gesucht und an der TH Rosenheim ausgebildet werden Menschen, die komplexe digitale Systeme verstehen, Künstliche Intelligenz kompetent nutzen und Verantwortung übernehmen. Wer heute Informatik studiert, lernt deshalb nicht für eine Welt ohne KI. Er oder sie lernt, eine Welt mit KI zu gestalten. KI braucht Hirn.

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