Daniela Ludwig (CSU): Meiner Einschätzung nach sind die Menschen alles andere als demokratiemüde. Bürgerinnen und Bürger engagieren sich ehrenamtlich in der Kommunalpolitik oder in Bürgerinitiativen, machen vom Versammlungs- und Demonstrationsrecht Gebrauch und ich erkenne an den vielen E-Mails, Briefen und Anrufen in meinen Büros keine Müdigkeit. Die Menschen suchen Kontakt, wollen sich austauschen. Von diesen Gesprächen profitiere auch ich, so erfahre ich unmittelbar, worüber Menschen sich Sorgen machen und was sie verbessert haben wollen. Miteinander zu reden, ist der Schlüssel. Das hat sich in der Pandemie deutlich gezeigt.
Wir dürfen dabei nicht zulassen, dass die Ränder lautstarke, weil radikale Schein-Antworten geben, während die Mitte schweigt. Demokratie heißt auch nicht, dass immer alle einer Meinung sein müssen, solidarisch zu sein, heißt nicht, nur zu nehmen und nicht zu geben: Wahrheiten, die wir aussprechen müssen.
Wir leben in einem freien Land, in dem jeder offen seine Meinung sagen darf. Niemand soll befürchten müssen, durch seine Meinungsäußerung Nachteile zu erleiden. Das ist ein Wert unserer Demokratie, den wir immer wieder verteidigen müssen. Wichtig ist aber auch, dass dieser Meinungsaustausch mit Anstand und Respekt gegenüber Andersdenkenden verbunden ist. Konsensfähigkeit ist wichtig, um gemeinsam zum Ziel zu kommen. Sie ist aber kein Ziel an sich. Die Demokratie muss auch ertragen, dass Debatten im Dissens enden.