Corona war und ist für uns alle eine schwierige Zeit. Manche Bevölkerungsgruppen waren jedoch stärker von der Krise betroffen als andere: Familien, insbesondere Alleinerziehende mit geringem Einkommen, quälte nicht nur die Sorge um einen geregelten Lebensunterhalt, sie mussten mit einem Mal Aufgaben übernehmen, die eigentlich die Schulen erledigen. Dieser Spagat ging oft zulasten der Kinder. So hat die Pandemie die soziale Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft verstärkt.
Gesundheitssystem
kaputt gespart
Generell wurden all die Missstände, die seit Jahren existieren, aber größtenteils unbeachtet blieben, wie unter einem Brennglas vergrößert und in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. Das gilt für unser Gesundheitssystem, das seit Jahren kaputt gespart und der Gewinnorientierung geopfert wird.
Für die Pflege, die mit Personalmangel, harten Arbeitsbedingungen und schlechten Gehältern zu kämpfen hat. Für alle plötzlich „systemrelevant“ genannten Berufe, die häufig von Frauen ausgeübt werden und einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt waren. Für die schlechte Ausstattung der Schulen, mangelnde Digitalisierung, fehlende Betreuungsangebote und zu wenig Lehrkräfte. Für den schlecht ausgebauten, unterfinanzierten ÖPNV, dem Bayern dazu noch die Corona-Hilfen gekürzt hat. Für unser soziales Sicherungsnetz, das aber besonders Kleinunternehmer, Soloselbstständige, Künstler*innen sowie Kulturschaffende gar nicht oder nicht ausreichend auffängt und viele Bereiche mehr. Diese Probleme müssen wir in den nächsten Jahren verstärkt angehen. Gerade mit Blick auf die Klimakrise und Katastrophen, die immer wahrscheinlicher werden, muss unser Land in allen Bereichen krisenfest und sozial gerecht werden.
In der Pandemie haben wir auch gelernt, dass wir auf der einen Seite einen unglaublichen gesellschaftlichen Zusammenhalt haben, Familien sich gegenseitig die Kinderbetreuung organisieren, Nachbar*innen für ältere Menschen einkaufen gehen, Student*innen Essenslieferungen unterstützen und einige Menschen, die mittlerweile nicht mehr in den Gesundheitsberufen arbeiten, während der Notlage dorthin zurückkehrten. Dazu das unglaubliche Engagement der ehrenamtlichen Helfer*innen, die in den Test- und Impfzentren unter schwierigsten Bedingungen bei Hitze und Kälte mit Ganzkörperschutzausrüstung unermüdlich Corona-Tests und Impfungen durchführen. All diesen Menschen möchte ich an dieser Stelle meinen ganz herzlichen Dank ausdrücken. Ohne euch hätte das Land nicht so funktioniert.
Entschlossen gegen Hass
und Zwietracht kämpfen
Auf der anderen Seite sehen wir, dass die Corona-Pandemie auch von einigen Menschen dazu genutzt wird, Zwietracht, Misstrauen und Hass zu sähen und das Fundament unserer Demokratie infrage zu stellen. Diesen Menschen müssen wir entschieden entgegentreten und ihnen zeigen, dass sie nicht die Mehrheit in diesem Land stellen. Außerdem müssen wir unsere Demokratie stärken und jene unterstützen, die sich durch ihre Arbeit in Vereinen, Verbänden, Initiativen und NGOs an unserer demokratischen Gemeinschaft beteiligen.