Zuerst ist es mir wichtig, unseren hervorragenden Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zu danken, die es in Rekordzeit geschafft haben, einen Impfstoff gegen das Virus zu entwickeln. Das war keine Selbstverständlichkeit und sollte nicht in Vergessenheit geraten. Zudem haben wir ein Gesundheitssystem mit herausragend engagiertem Personal, das diese Krise unter anderem in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtung in bewundernswerter Weise bewältigt hat.
Wir haben jetzt
Erfahrungswerte
Eine Prognose abzugeben, wäre nicht seriös. Klar ist aber, dass wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit haben lernen können. Wir wissen, welche Maßnahmen effektiv gegen die Ausbreitung des Virus helfen. Und vor allem sind wir heute in einer anderen Lage als zu Beginn der Pandemie. Jedem Erwachsenen konnte – wie von der Bundesregierung versprochen – bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot gemacht werden. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist bereits geimpft. Das ist insgesamt eine gute Vorbereitung für den Fall, dass eine erneute Welle auftritt. Wir müssen jetzt dafür Sorge tragen, dass sich noch mehr Menschen impfen lassen. Dann können wir auch einen erneuten Lockdown verhindern. Jedem muss bewusst sein, dass es beim Impfen nicht nur um ihn oder sie persönlich geht. Es ist auch ein Akt der Solidarität denen gegenüber, die sich nicht impfen lassen können.
Die Pandemie hat insoweit mein Denken und Handeln verändert, als dass ich zum allerersten Mal in meinem Leben meine Zuneigung oder meinen Respekt gegenüber meinen Mitmenschen durch Abstand zeigen musste. Früher wäre das undenkbar für mich gewesen, als Händeschütteln oder Umarmungen zur Freundlichkeit und guten Erziehung gehörten. Wo ich früher nur an Schlüssel, Portemonnaie und Handy denken musste, waren es plötzlich noch zusätzlich Maske und Desinfektionsspray. Aber das ging sicherlich fast jedem so. Abstand war plötzlich der neue Anstand.
Die Tatsache, dass in diesem Jahr die übliche Grippewelle fast komplett ausgefallen ist, hängt auch mit diesen Maßnahmen zusammen. Ich hoffe, dass der Respekt vor unseren Mitmenschen bleibt, aber dass wir die Abstände zueinander immer weiter verringern können.
Falschwahrheiten
verbreiten sich schnell
Nicht Corona oder das Virus spaltet die Gesellschaft, sondern das Problem in einer digitalisierten Welt ist die Flut an Nachrichten und die Flut an Falschwahrheiten, die sich mindestens ebenso schnell verbreiten. Das verunsichert die Menschen, ein ganz natürlicher Prozess, eine ganz menschliche Reaktion.
Wir haben in dieser Zeit viel Hilfsbereitschaft erfahren, Familien und Gemeinschaften sind noch enger zusammen gewachsen. Damit meine ich vor allem den persönlichen Bereich. Viele Menschen haben für ihre Nachbarn, die nicht das Haus verlassen konnten, eingekauft. Es wurden gerade in der Anfangszeit, als Schutzausrüstung noch keine Massenware war, privat Masken genäht. Ich habe Eltern erlebt, die sich bei der Kinderbetreuung zu Hause unterstützt haben. Diese Krise hat gezeigt, wie nah wir uns stehen und dass unsere Gesellschaft in Zeiten der Not zusammenhält.