München – Trickbetrüger nehmen in Bayern offenbar verstärkt Pflegebedürftige ins Visier. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung in Bayern (MDK) und die Polizei warnen vor einer neuen Betrugsmasche an der Haustüre. Demnach klingeln die Täter bei kranken Senioren und behaupten, vom Pflegedienst oder vom Medizinischen Dienst zu sein, um einen Hausbesuch vorzunehmen. Für diesen Besuch werden dann teils mehrere hundert Euro in bar verlangt.
Der Dienst begutachtet Pflegebedürftige regelmäßig, um unter anderem einen Pflegegrad zuzuteilen. Der MDK rät nun aber allen Senioren zu einer gesunden Portion Misstrauen: „Echte Hausbesuche“ werden immer schriftlich angekündigt. Außerdem sind Begutachtungen und Besuche kostenfrei, auch im Fall eines Fehlbesuchs. „Alle unsere Mitarbeiter besitzen einen Dienstausweis mit Foto“, sagt Bayerns MDK-Chefin Ottilie Randzio. „Den werden sie unaufgefordert vorzeigen.“ Wer einen Unbekannten vor der Tür stehen hat, der vorgibt, vom Pflegedienst zu sein, sollte dies per Anruf dort überprüfen.
30 Abzocke-Fälle wurden allein 2016 gemeldet. Bei auffälligem Verhalten angeblicher Pflegedienste oder Gutachter sollen die Patienten oder ihre Angehörigen die Polizei oder den MDK verständigen. Es gehe nicht an, Pflegebedürftige zu betrügen, sagt Randzio. „Wir werden alles tun, um dies zu verhindern.“
Offen ist, woher die Kriminellen die Adressen pflegebedürftiger Personen abgreifen. Insider fürchten seit Längerem, dass unseriöse ambulante Dienste vertrauliche Informationen weitergeben. „Anders ist dies ja nicht zu erklären“, sagt der Münchner Pflege-Experte Claus Fussek.
Die Gruppe der potenziellen Opfer ist groß: Alleine in München gibt es 25 000 Pflegebedürftige – über 70 Prozent davon werden zu Hause versorgt. In ganz Bayern sind es knapp 350 000 Menschen, die Leistungen aus der Pflegekasse bekommen. age