Regensburg/Rom – Die Hilfsorganisation Sea Eye beendet vorerst ihren Rettungseinsatz vor der Küste Libyens. „Grund dafür ist die veränderte Sicherheitslage“, teilte die Gruppe aus Regensburg mit. Schon am Samstag hatte Ärzte ohne Grenzen erklärt, die Mission zur Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen auszusetzen. Man habe eine konkrete Warnung der Seenotrettungsleitstelle in Rom bekommen, hieß es. Auch Save the Children denkt über einen Rückzug nach.
Die libyschen Behörden wollen Berichten zufolge ihre eigene Such- und Rettungszone ausweiten und untermauern ihren Anspruch offenbar mit Drohungen und Warnschüssen gegen Helfer. Eine Fortsetzung des Einsatzes sei unter diesen Umständen nicht möglich, sagte Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer. „Wir können dies auch gegenüber unseren Crews nicht mehr verantworten.“ Zudem warnte er vor den Folgen. „Wir hinterlasen eine tödliche Lücke auf dem Mittelmeer.“ In diesem Jahr starben schon 2400 Menschen auf der Fluchtroute.
Hintergrund der Entwicklung ist die Zusammenarbeit Italiens mit Libyen. Die italienische Marine unterstützt die Küstenwache des nordafrikanischen Landes technisch und logistisch. Die Regierung in Rom erhofft sich, dass so deutlich weniger Flüchtlinge ins Land kommen. Die Zahlen sprechen für den Erfolg: In den ersten zwei Augustwochen sind erst etwas mehr als 1700 Menschen in Italien angekommen. Im Juli waren es 11 459 und damit 60 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie Innenminister Marco Minniti mitteilte. Aus Regierungskreisen heißt es, jeder Schritt sei mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abgesprochen. In beiden Ländern stehen Wahlen an.
Der Koordinator der Migrations-Projekte bei Ärzte ohne Grenzen, Stefano Argenziano, nannte die neue Linie Italiens „absurd und rücksichtslos“. Die spanische Proactiva Open Arms will dagegen trotz Drohungen weiterretten.