Neue Spannungen mit der Türkei

von Redaktion

Erdogan attackiert Gabriel persönlich – Spanien prüft Auslieferung eines Kölner Autors

München – Die Spannungen zwischen Berlin und Ankara haben sich am Wochenende nach einer scharfen persönlichen Attacke des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) abermals verschärft. „Wer sind Sie, dass Sie mit dem Präsidenten der Türkei reden? Beachten Sie Ihre Grenzen“, sagte Erdogan mit Blick auf Gabriel am Samstag bei einer Rede in der türkischen Provinz Denizli. „Wie lange sind Sie eigentlich in der Politik? Wie alt sind Sie?“ Erdogan reagierte mit seinen Aussagen auf eine Kritik Gabriels am Präsidenten: Wie andere deutsche Politiker auch, hatte sich der Außenminister jede Einmischung in den deutschen Wahlkampf verbeten.

Unterdessen ist der auf Betreiben der Türkei in Spanien festgenommene deutsche Schriftsteller Dogan Akhanli nach einem Tag Haft vorerst frei. „Ich freue mich, dass Dogan Akhanli wieder auf freiem Fuß ist“, erklärte Gabriel am Sonntag. Akhanli muss aber zunächst in der Hauptstadt Madrid bleiben, wie sein Anwalt Ilias Uyar bestätigte. „Er ist erschöpft“, sagte Uyar.

Auf Antrag der Türkei hatte die spanische Polizei Akhanli am Samstag festgenommen. Er hatte Urlaub in Granada gemacht. Hintergrund ist nach Angaben seines Anwalts der Vorwurf, Akhanli sei 1989 an einem Raubmord in einer Wechselstube in Istanbul beteiligt gewesen – ein Vorwurf, von dem er vor einem türkischen Gericht zunächst freigesprochen wurde. Uyar zeigte sich überzeugt, dass das Verfahren gegen Akhanli politisch motiviert ist. Der Schriftsteller lebt seit seiner Flucht aus der Türkei 1991 in Deutschland und hat nur die deutsche Staatsbürgerschaft. Er sei in der Vergangenheit ohne Probleme ins Ausland gereist, sagte sein Anwalt.

Das Verfahren kann viele Wochen dauern. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte die Festnahme. Man dürfe Organisationen wie Interpol nicht „für sowas“ missbrauchen, sagte Merkel. Die Bundesregierung sei mit Spanien in Kontakt. CSU-Chef Horst Seehofer nannte Erdogans Vorgehen „eine Frechheit“.

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