Berlin/Antalya – Trotz der Aufrufe der Bundesregierung zur Freilassung inhaftierter Deutscher sind in der Türkei zwei weitere Bundesbürger festgenommen worden. Die Flughafenpolizei in Antalya habe die Festnahmen bestätigt, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. Der konkrete Grund ist unbekannt. Das Auswärtige Amt ging aber davon aus, dass es sich um einen politischen Vorwurf handelte, konkret um Terrorverdacht.
Die Festgenommenen sind den Ministeriumsangaben zufolge keine Doppelstaatsbürger, sondern haben ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Außenminister Sigmar Gabriel sagte, möglich sei, dass sie türkische Wurzeln hätten, aber auch das sei ungewiss. „Wir wissen zur Stunde noch nicht einmal, ob sie bei der Ein- oder Ausreise verhaftet worden sind.“
Derzeit sind nach Angaben des Auswärtigen Amts 55 deutsche Staatsangehörige in türkischer Haft oder in Polizeigewahrsam, davon inklusive der zwei jüngsten Fälle zwölf aus politischen Gründen. Wie viele davon neben der deutschen auch noch die türkische Staatsbürgerschaft besitzen, ist unklar.
Die erneuten Festnahmen dürften die deutsch-türkischen Beziehungen weiter belasten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwägt eine schärfere Politik gegenüber Ankara: „Wir müssen entschieden reagieren.“ Sie bekräftigte ihre Ankündigung, Verhandlungen über eine Ausweitung der Zollunion zwischen der Europäischen Union und Ankara zu blockieren.
In Deutschland wächst unterdessen der Verdacht, Präsident Erdogan könnte Bundesbürger womöglich als Faustpfand festhalten. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte unserer Zeitung: „Erdogan ist kein Präsident, sondern ein Geiselnehmer.“