München – Nach wochenlangem intensivem Wahlkampf entscheiden die Deutschen am Sonntag über die neue Bundesregierung. In den Umfragen liegt die Union von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zwar mit großem Vorsprung vorn, doch die Zustimmung bröckelt auch in den letzten Erhebungen vor dem Urnengang. Laut dem Institut Insa verlieren CDU und CSU zwei Prozentpunkte auf 34 Prozent, auch die SPD um Martin Schulz rutscht weiter ab: auf 21 Prozent (minus 1). Bei Forsa lag die Union unverändert bei 36 Prozent, die SPD verlor auch hier leicht auf 21 Prozent.
Mit besonderer Spannung wird der Kampf um den dritten Platz beobachtet, in dem die AfD inzwischen die Nase vorn hat. 13 Prozent maßen die Forscher von Insa für die Partei, während Linke (elf), FDP (neun) und Grüne (acht) ein wenig an Boden zu verlieren scheinen. Dennoch ordnen Experten das Rennen unter den Kleineren als offen ein. Sie betonten, dass es sich nicht um Prognosen für Sonntag, sondern lediglich aktuelle Stimmungen handelt.
Vom Ergebnis der kleineren Parteien werden nach der Wahl die Koalitionsoptionen abhängen. Für ein schwarz-gelbes Bündnis dürfte es rechnerisch eng werden. Möglich erscheint neben der Großen Koalition ein „Jamaika“-Bündnis aus Union, FDP und Grünen. Die Protagonisten scheinen kurz vor der Wahl aber wenig Interesse zu haben. „Ich glaube, es wird eine neue Große Koalition geben“, sagte FDP-Chef Christian Lindner.
Der scheidende Bundestagspräsident Norbert Lammert rief die Bundesbürger eindringlich dazu auf, am Sonntag an die Urnen zu gehen. „Wahlen sind das Königsrecht der Demokratie, ein Hochfest. Wer davon nicht Gebrauch macht, hat mindestens moralisch den Anspruch verwirkt, sich nachher zu beschweren“, sagte Lammert.
In Bayern sind bei der Bundestagswahl rund 9,5 Millionen Menschen wahlberechtigt, das entspricht 15 Prozent aller Wahlberechtigten in Deutschland. 21 Parteien sind im Freistaat zur Wahl zugelassen. Mit besonderer Spannung wird das Abschneiden der CSU beobachtet, die sich lange gegen Merkels Flüchtlingspolitik gewehrt hatte. 2013 erreichte die Partei 49,3 Prozent, die SPD kam auf 20, die Grünen auf 8,4 und die FDP auf 5,1 Prozent.