Pfleger tötete 106 Patienten

von Redaktion

Polizei ließ mehr als 130 Verstorbene exhumieren – weitere Opfer möglich

Oldenburg – Die Mordserie des früheren Krankenpflegers Niels H. nimmt immer größere Dimensionen an. Nach Abschluss aller toxikologischen Untersuchungen gehen die Ermittler davon aus, dass er für 106 Todesopfer an den Kliniken Delmenhorst und Oldenburg verantwortlich ist. Der Oldenburger Oberstaatsanwalt Martin Koziolek sagte: „Es könnten mehr sein.“ Weitere mögliche Opfer wurden aber eingeäschert und konnten nicht mehr untersucht werden.

Den Untersuchungen zufolge können H. 62 Sterbefälle in Delmenhorst und 38 Fälle in Oldenburg zugerechnet werden. In fünf der Oldenburger Fälle müssten aber weitere Untersuchungen erfolgen. H. ist bereits wegen sechs Taten zu lebenslanger Haft verurteilt worden, unter anderem wegen zwei Morden. Die Staatsanwaltschaft will wegen der neuen Fälle voraussichtlich Anfang 2018 Anklage erheben.

Niels H. hatte gestanden, Patienten eine Überdosis von Medikamenten gespritzt zu haben, um sie wiederbeleben zu können und sich so als heldenhafter Retter zu beweisen. Mehr als 130 frühere Patienten ließ die Sonderkommission der Polizei ausgraben und auf Rückstände von Medikamenten testen.

Fest steht nach Ansicht der Ermittler, dass ein großer Teil der Morde hätte verhindert werden können. Schon am Klinikum Oldenburg zeigte sich, dass während der Schichten von Niels H. die Sterberate und die Zahl der Reanimationen stieg. Das Klinikum Oldenburg trennte sich von ihm. Eine Warnung an das Klinikum Delmenhorst blieb aus. Auch dort gab es bald Gerüchte. Später lagen handfeste Beweise vor: Deshalb werden zwei frühere Oberärzte und der Stationsleiter wegen Totschlags durch Unterlassen angeklagt.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisiert, in vielen der bundesweit 2000 Krankenhäusern seien die Kontrollmechanismen nicht verschärft worden.

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