München – Die Debatte über eine Urwahl hat in der CSU zu einem offenen Machtkampf und schweren Verwerfungen geführt. In schroffen Worten wiesen mehrere Landtagsabgeordnete die Anregung von Vize-Ministerpräsidentin Ilse Aigner zurück, den Spitzenkandidaten für Herbst 2018 in einer Mitgliederbefragung zu suchen.
Kultusminister Ludwig Spaenle warf Aigner „Leichtmatrosentum“ vor. Der Abgeordnete Florian Herrmann nannte ihr Verhalten „parteischädigend“ und sprach von „Möchtegern-Ministerpräsidenten“. Eine Urwahl werde „zu einem totalen Desaster“ führen, sagte Herrmann, der wie Spaenle als Anhänger des aussichtsreichen Kandidaten Markus Söder gilt.
Die rüden Angriffe sorgten in der Partei für Widerspruch. Mehrere erfahrene Politiker verlangten, andere Umgangsformen an den Tag zu legen. Die „auf die Person und die Integrität“ Aigners zielenden Äußerungen „haben beleidigenden Charakter und markieren einen Tiefststand der politischen Debattenkultur in der CSU“, klagte der frühere Landtagspräsident Alois Glück. Man könne mit jeweils guten Gründen für oder gegen eine Urwahl oder gegen eine Nominierung von Söder als Ministerpräsident sein. „Keine der Positionen rechtfertigt beleidigende Äußerungen über die Qualitäten beteiligter Akteure.“
Die frühere Fraktionsvorsitzende Christa Stewens sagte unserer Zeitung, die Art und Weise der Attacken sei „deplatziert“. Die CSU brauche mehr Ruhe und Gelassenheit. Sie könne sich eine Mitgliederbefragung gut vorstellen. Staatskanzleiminister Marcel Huber nannte den Umgangston „befremdlich“. Es sei eine „Frage von Respekt und Fairness“, dass zuallererst Horst Seehofer darlegen dürfe, welche Aufstellung er vorschlage.
Eine Urwahl könnte vom Parteivorstand als Mitgliederbefragung gestartet werden. Sie dauert mehrere Wochen. Ihre Ergebnisse können politisch, nicht formalrechtlich bindend sein. cd