Handy-Verbot an Schulen wackelt

von Redaktion

Eltern, Lehrer und Schüler fordern Abschaffung – Das Kultusministerium ist dagegen

München – Das Verbot der Handy-Nutzung an den bayerischen Schulen steht in der Kritik. Mehrere einflussreiche Bildungsverbände fordern, das Gesetz abzuschaffen. Es untersagt die Nutzung von Handys und anderen digitalen Speichermedien außerhalb des Unterrichts. Das Verbot, das aus dem Jahr 2006 stammt, sei nicht mehr zeitgemäß, weil in Bayern ja die digitale Bildung ausdrücklich vorangetrieben werden solle. Statt eines pauschalen Verbots müssten Schulen eigene Mediennutzungskonzepte verabschieden.

Angestoßen hat die Diskussion der Landesschülerrat. Am Freitag verabschiedete der Bayerische Philologenverband bei seiner Hauptversammlung in Garmisch-Partenkirchen mit knapper Mehrheit einen Antrag, der ebenfalls individuelle Regelungen an der Schule vorschlägt. „Es ist Zeit für eine neue Regelung“, sagte Verbandschef Michael Schwägerl unserer Zeitung. Auch Direktorenvereinigung und Elternverbände wollen sich kommende Woche in einem Papier für eine Abschaffung des Verbots aussprechen.

Das bayerische Kultusministerium sieht indes keinen Handlungsbedarf. Es verweist darauf, dass die Handy-Nutzung „zu Unterrichtszwecken“ sehr wohl erlaubt sei. Allerdings ist die Benutzung auf dem Schulgelände, etwa auf dem Pausenhof, strikt untersagt. Wer in der Pause telefonieren oder im Internet surfen will, benötigt eine Genehmigung der Lehrer. Dagegen werde in der Praxis massenhaft verstoßen, sagen Lehrer. Auch Oberstufen-Schüler beachteten das Handy-Verbot in ihren Aufenthaltsräumen kaum. Während Freie Wähler, SPD und Grüne das Handy-Verbot für altmodisch halten, gibt es in der CSU bisher nur einzelne Stimmen, die das überdenken. Sie sei gegen eine „analoge Betonmauer um die Schulhöfe“, sagte die Staatsskretärin für digitale Infrastruktur, Dorothee Bär (CSU). dw

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