Mainz – Die Bundesbürger sind einer Studie zufolge politisch so interessiert wie lang nicht mehr. 56 Prozent der Befragten gaben zwischen Januar und September 2017 in einer Untersuchung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF an, sie hätten ein starkes oder sehr starkes politisches Interesse. Das ist der höchste Wert seit 20 Jahren.
Im Jahr 1996 bezeichneten sich 39 Prozent der Befragten als stark oder sehr stark an Politik interessiert. Nach einem Zwischenhoch 2013 mit 52 Prozent sank der Wert zunächst leicht und stieg seit 2014 wieder. Allerdings ist ein Anstieg in Wahljahren häufiger zu beobachten. Die Zunahme zeigt sich in allen Altersgruppen. Die Tendenz bleibt: je älter, desto Politik-affiner. Am stärksten interessiert sind seit Jahren die 60- bis 69-Jährigen, hier haben 63 Prozent starkes oder sehr starkes Interesse. Kaum oder gar nicht politisch interessiert waren von Januar bis September 2017 demnach 10 Prozent, das ist der niedrigste Wert seit rund zwei Jahrzehnten.
ZDF-Intendant Thomas Bellut wertete die Studie positiv. „Wir leben in spannenden Zeiten für Nachrichten und Politikberichterstattung“, sagte er. Die Ergebnisse seien „eine gute Entwicklung für die Demokratie und eine Herausforderung für uns“. In der Politik wurden die Daten mit Neugier aufgenommen. Es bewähre sich eben, „um heikle Themen keinen Bogen zu machen, sondern das aufzugreifen, was die Menschen bewegt“, sagte CSU-Vizegeneralsekretär Markus Blume. Die Studie sei eine Chance für die Parteien und die Demokratie, sagte SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher: „Mehr Mut zur Differenzierung in den Parteien statt Gerede, man könne Profiltiefe nur über simple Botschaften und kernige Aussagen erreichen.“ Es gebe den Bedarf nach einem echten Diskurs über Inhalte. cd/dpa