NS-Gedenken zu ritualisiert

von Redaktion

Auschwitz-Überlebende kritisieren Trivialisierung

Berlin – Unmittelbar vor dem Holocaust-Gedenktag am 27. Januar warnen Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz vor einer „zunehmenden Ritualisierung und Trivialisierung“ des Gedenkens. Der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, begründete das in Berlin mit den politischen Entwicklungen in vielen europäischen Ländern.

Er beklagte ein „Denken in nationaler Engstirnigkeit“, „Aggressivität gegen Flüchtlinge“ und eine Wiederkehr von antisemitischen Tendenzen. „Tagtäglich wird von diesen Kräften das Verbindende und die Würde einer Gesellschaft unflätig und zynisch angegangen und der Aufruf zu Aggressivität, Ausgrenzung und Widerstand unters Volk getragen. Für die Auschwitz-Überlebenden ist all dies im Jahre 2018 bitter und bedrohlich.“ Gerade in diesem Jahr sei der Gedenktag in den Augen der Überlebenden des Holocaust nicht nur ein Tag der Erinnerung an die Verbrechen Nazi-Deutschlands, „sondern auch ein Tag, der wie ein Stachel in die heutige Welt hineinragt und verdeutlicht, wie viel zu ähnlich und bedrohlich Antisemitismus, Hass und Intoleranz längst wieder den gesellschaftlichen Alltag – besonders junger Menschen – prägen“.

Heubner weiter: „Die Überlebenden sind dankbar, dass sich bei so vielen Gedenkfeierlichkeiten aus Anlass der Befreiung von Auschwitz Menschen ihrer Geschichte und der ihrer ermordeten jüdischen Familien erinnern. Aber sie verbinden dies auch mit der dringenden Bitte: Richtet den Blick auch in Eure Gegenwart und in Eure Zukunft.“

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