Gratis-MVV: Modellstadt München?

von Redaktion

OB Dieter Reiter bekundet Interesse an Pilotversuch – Regierung rudert zurück

München – Die Überlegungen der Bundesregierung für einen kostenlosen Nahverkehr in von Autoabgasen belasteten Städten stoßen in München auf Skepsis. „Die Botschaft hör’ ich gern, allein mir fehlt der Glaube“, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Dennoch würde der Rathauschef die Landeshauptstadt als Modellstadt für einen „vom Bund finanzierten und damit für die Bürger kostenlosen öffentlichen Nahverkehr“ anbieten.

Die Bundesregierung hatte in Aussicht gestellt, Länder und Kommunen bei einem möglichen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) finanziell zu fördern. Damit solle zur Verbesserung der Luftqualität beigetragen werden. Allerdings rudert die Regierung laut einem Bericht der „Welt“ bereits zurück: Das Blatt zitiert einen Sprecher des Umweltministeriums, der sagt, die Kommunen müssten selbst entscheiden, ob sie einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr anbieten. Wer dafür aufkommen soll, ließ er offen. „Eine Konkretisierung kann und muss zum jetzigen Zeitpunkt nicht geleistet werden“, ergänzte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Viel wichtiger als ein kostenloser ÖPNV sei in München aber ohnehin der Ausbau der Infrastruktur, sagte Reiter. „Und ich hoffe, dass auch der in Zukunft vom Bund deutlich höher bezuschusst werden wird.“ Robert Niedergesäß (CSU), Ebersberger Landrat und Sprecher der acht MVV-Verbundlandkreise, freut sich, dass das Thema „endlich auf Bundesebene diskutiert wird. Das ist dringend nötig, im Sinne der sauberen Luft.“ Vertreter der Verkehrsbetriebe kritisierten den Vorschlag. Allein im MVV-Bereich brächen 900 Millionen Euro weg, sagte Verbundschef Alexander Freitag. Die Summe wäre vergleichbar mit den Finanzmitteln, die der Bund heuer für den Ausbau des Nahverkehrs zur Verfügung stelle – in ganz Deutschland. ska

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