Dieser Satz dürfte an vielen Frühstückstischen dieser Tage häufig fallen: „So gehst du mir nicht aus dem Haus!“ Anlass ist, wenn der Nachwuchs trotz zweistelliger Minusgrade das vor hat, was besonders unter jungen Mädchen nun schon den dritten Winter in Folge verbreitet ist – und für Kopfschütteln unter Eltern und Älteren sorgt: das Tragen von Sneaker, also Turnschuhen, mit kaum sichtbaren Sneakersocken. Dazu die Jeans hochgekrempelt. Sprich: viel nackte Haut bei wenig Wärme. Wo doch Normalmensch schon beim Tragen normaler Winterstiefel nach wenigen Minuten Eisbeine oder Frostbeulen bekommt. Auch hier in der Redaktion gibt es leidgeprüfte Eltern, die die Töchter zum Herabrollen der Jeans verdonnern, wohl wissend, dass das Beinkleid spätestens im Schulbus wieder nach oben wandert.
Einen Namen hat dieser Trend auch: „Flanking“. Die modische Wortkreation setzt sich aus „flashing“, das auf Deutsch so viel wie „blitzen lassen“ bedeutet, und „ankle“, Deutsch: „Knöchel“, zusammen. Ärzte sehen das Mode-Phänomen gespalten. Die einen sagen, das härte ab, andere warnen bei einem schwächelnden Immunsystem vor Dauerunterkühlung. Modebloggerinnen raten fröstelnden 14-Jährigen, die dem Trend auch bei arktischer Kälte frönen wollen, übrigens zu Lammfelleinlagen, wärmender Fußcreme oder durchblutungsförderndem Massageöl. Letzteres lässt bläulich angelaufene Beine auch gleich farblich ansprechender daherkommen.
Eltern, die bei der Kleiderwahl ihrer Kinder nichts mehr mitzureden haben, bleibt die Hoffnung, dass sich auch dieser Trend spätestens im kommenden Winter wieder totgetreten hat… Oder – wenn auch weniger wahrscheinlich – auf späte Einsicht des halb nackten Nachwuchses. CLAUDIA MUSCHIOL