Erl – Sind die Tiroler Festspiele in Gefahr? Seit mehreren Wochen steht Initiator und Maestro Gustav Kuhn im Kreuzfeuer heftiger Vorwürfe: Von sexueller Belästigung ist die Rede, von Ausbeutung der Musiker, sogar von „Proben-Terror“ (wir berichteten). Jüngst meldeten sich bei einer Pressekonferenz im Festspielhaus Musiker des Minsker Orchesters zu Wort und wiesen die Behauptungen von sich. Erl sei für viele von ihnen zur Heimat geworden, so Manager Vladimir Deiko.
Die Stimmung im Festspielhaus sei aufgeheizt. Die Vorwürfe eines anonymen Schreibers im sozialen Netz störten die Arbeit des Orchesters erheblich, betonte Konzertmeister Fjodar Lushch. Wie Nadzeya Mialeshka, Stimmführerin Flöte, und Cellistin Volka Hranionava verwies er auf die qualitativ anspruchsvolle Probenarbeit, die Maestro Gustav Kuhn „mit Charisma und enormer Energie“ begleite. Von Proben-Terror könne nicht die Rede sein.
Die Bezahlung ermögliche ein gutes Leben: „In Weißrussland gehören wir zur Mittelklasse und können uns vieles leisten“, so Volka Hranionava. Fragen zum genauen Gehalt wurden nicht beantwortet: „Das ist Privatsache.“ Und auch hinsichtlich sexueller Belästigung gab sich das Sprechergremium zurückhaltend. Sexuelle Gewalt gegenüber Musikerinnen und Sängerinnen? „Njet“, so die Antwort, die mit allgemeinem Gelächter bedacht wurde.
Wie man sich die Vorwürfe erkläre? Hier sei wohl Neid im Spiel, meinte der Konzertmeister. Könnte die Erfolgsgeschichte in Erl, von der eine Region seit 20 Jahren profitiert, an den Vorwürfen zugrunde gehen? Stimmführerin Mialeshka lächelt: „Wir haben die Sache nicht initiiert.“ ge