Auto ruft künftig die Polizei

von Redaktion

Ab 31. März brauchen alle neuen Fahrzeugmodelle automatisches Notrufsystem

München – Künftig verständigt das Auto bei einem Unfall selbsttätig die Polizei und den Rettungsdienst. Das sieht das neue Notrufsystem namens E-Call vor. Ab Samstag müssen alle neuen Fahrzeugmodelle in der EU mit einer SIM-Karte ausgerüstet sein, die sich nach einem Unfall automatisch ins Handy-Netz einwählt und selbsttätig die Rettungskräfte alarmiert. Sobald Crash-Sensoren einen Aufprall registrieren, soll das E-Call-System ohne Zutun des Fahrers eine Sprachverbindung zur Notrufzentrale herstellen sowie Unfallort und Fahrzeugdaten an die Leitstelle senden.

Die EU will mit dem E-Call die Dauer bis zum Eintreffen der Rettungskräfte drastisch reduzieren. Die Zahl der jährlichen Verkehrstoten soll dadurch um bis zu 2500 sinken. Ob der Plan einmal aufgehen wird, ist aber unklar: „Wie viel Zeitersparnis oder anderweitiger Zeitvorteil durch diese Einrichtung entsteht, kann mit dem momentanen Kenntnisstand nicht seriös eingeschätzt werden“, sagte ein Sprecher der Branddirektion München unserer Zeitung.

Die Integrierte Leitstelle Oberland in Weilheim geht allerdings davon aus, dass in Oberbayern viele Gegenden von dem Notrufsystem profitieren könnten. „Das System kann vor allem in touristischen Gebieten zu mehr Sicherheit beitragen“, sagte der Chef der Leitstelle Oberland, Helmut Ochs. Ortsfremde wüssten oft nicht, unter welcher Notrufnummer sich Hilfe organisieren lässt. Erst vor wenigen Tagen ereignete sich in Lenggries ein Verkehrsunfall mit tödlichen Folgen, die möglicherweise mit einem schnell abgesetzten E-Call hätten verhindert werden können.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft rechnet allerdings damit, dass sich E-Call erst allmählich durchsetzt. In zehn Jahren dürften nur die Hälfte aller Autos auf deutschen Straßen mit dem System unterwegs sein.  sh

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