Zinstief bedroht Betriebsrenten

von Redaktion

Bundesfinanzaufsicht schlägt Alarm – Ein Drittel der Pensionskassen im Visier

Frankfurt – Das Zinstief bedroht nach Einschätzung der Finanzaufsicht Bafin zunehmend die betriebliche Altersvorsorge. „Ohne zusätzliches Kapital von außen werden einige Pensionskassen nicht mehr ihre vollen Leistungen erbringen können“, sagte Deutschlands oberster Versicherungsaufseher Frank Grund am Donnerstag in Frankfurt. Die Lage sei „noch ernster als vor zwei Jahren“ und werde sich bei anhaltend niedrigen Zinsen weiter verschärfen.

Etwa ein Drittel der 137 Pensionskassen in Deutschland habe die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) bereits unter verschärfter Beobachtung. „Und wir drängen sie, bei ihren Trägern oder Aktionären rechtzeitig Unterstützung einzufordern“, sagte Grund. In der schwierigsten Gruppe befänden sich etwa zehn Prozent der Deckungsrückstellungen der Branche, „da machen wir uns schon erhebliche Sorgen“.

Die Niedrigzinsphase erschwert es Lebensversicherern und Pensionskassen, die vor Jahren zugesagten, vergleichsweise hohen Zinsen zu erwirtschaften. Früher konnten die Institute zum Beispiel in Staatsanleihen investieren, die zuverlässige Renditen brachten. Seit die Europäische Zentralbank den Markt mit Liquidität überflutet und selbst im großen Stil Anleihen kauft, sind in diesem Bereich kaum noch Zinsen zu erzielen.

Im schlimmsten Fall drohen Kunden Leistungskürzungen. Die Kapitalanlagen der Pensionskassen summieren sich nach Bafin-Angaben auf rund 165 Milliarden Euro, Deutschlands Lebensversicherer verwalten etwa 900 Milliarden Euro.

„Alle Verantwortlichen sollten Interesse daran haben, Pensionskassen vor einer Schieflage zu bewahren“, betonte Grund. „Nur dann bleibt die betriebliche Altersvorsorge ein stabiler Pfeiler der Alterssicherung in Deutschland.“  dpa

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