Rom – Nach dem Scheitern einer Regierungsbildung in Italien droht neben der politischen Krise nun eine handfeste Finanzkrise. Kursstürze an der Börse weckten böse Erinnerungen an den Höhepunkt der Staatsschuldenkrise 2011/2012, die ganz Europa erfasste. Auch die geplante Übergangsregierung des Finanzexperten Carlo Cottarelli beruhigte die Märkte nicht. Aussichten auf eine Neuwahl im Spätsommer, bei der die EU-kritischen Parteien Fünf Sterne und Lega weiter erstarken könnten, versetzten die Anleger vollends in Alarm. Die Europäische Zentralbank warnte vor einer Eskalation der Lage.
Ausgangspunkt der Krise ist die geplatzte Koalition zwischen den Sternen und der fremdenfeindlichen Lega. Staatspräsident Sergio Mattarella hatte deren Wunschkandidaten für das wichtige Amt des Finanzministers, den Euro-Gegner Paolo Savona, nicht akzeptiert. Mit der Ernennung einer neutralen Technokratenregierung wollte Mattarella die nervösen Märkte beruhigen, was ihm aber nicht gelang. Nicht nur der Euro geriet am Dienstag unter Druck und fiel fast bis auf 1,15 US-Dollar. Der Mailänder Leitindex FTSE MIB sackte um bis zu 3,7 Prozent ab.