Kasan – Schwarz-Rot-Gold hängt in Fußball-Deutschland auf Halbmast: Der Titelverteidiger ist bei der Weltmeisterschaft in Russland bereits in der Vorrunde gescheitert. Ein peinliches 0:2 (0:0) gegen Südkorea besiegelte das historische Scheitern – niemals zuvor war für eine deutsche Mannschaft bei einem Weltturnier so früh Endstation. Weil Schweden zeitgleich gegen Mexiko mit 3:0 triumphierte, beendete die DFB-Auswahl die Vorrundengruppe F sogar als Tabellenschlusslicht. Vier Jahre nach dem Titelgewinn von Rio de Janeiro stellt sich damit auch die Frage nach der Zukunft von Joachim Löw. „Die Verantwortung liegt ganz klar bei mir“, sagte der Bundestrainer – zu einem möglichen Abschied wollte er sich unmittelbar nach Spielschluss nicht äußern.
Der Deutsche Fußball Bund (DFB) allerdings hatte Löw schon im Vorfeld der Partie eine Jobgarantie gegeben. Gestern Abend bestätigte Präsident Reinhard Grindel diese Position: „Wir haben vor der WM gesagt, wir trauen ihm das zu bis 2022. Das ist nach wie vor meine Meinung.“ DFB-Teammanager Oliver Bierhoff fügte hinzu, er sei trotz des Ausscheidens „guter Dinge, dass Jogi im September, wenn es weiter geht, wieder angreifen wird.“
Dabei hätte dem deutschen Team am letzten Vorrundenspieltag bereits ein knapper Sieg zum Weiterkommen gereicht. Doch gegen spielerisch limitierte Südkoreaner fehlten der deutschen Auswahl vor 41 835 Zuschauern in Kasan von Beginn an Spielwitz, Tempo und Ideen. Bayern-Profi Mats Hummels kam dem ersehnten Torerfolg kurz vor Schluss per Kopf noch am nächsten. Am Ende jedoch machten Kim Yong Gwon (90.+4) und der frühere Bundesliga-Profi Heung Min Son (90.+6.) in der Nachspielzeit den Totalschaden für den Noch-Weltmeister perfekt.
Deutschland ist der dritte Titelverteidiger in Folge, der bereits nach der WM-Vorrunde die Koffer packen muss. 2010 in Südafrika hatte Italien, vier Jahre später in Brasilien die Spanier das gleiche Schicksal erlitten.