München – Einen Tag vor der Verkündung des Urteils im NSU-Prozess haben Hinterbliebene der Mordopfer eine ungenügende Aufklärung der Tatserie kritisiert. „Ich bin mir hundert Prozent sicher, dass es draußen noch Mittäter gibt“, sagte Abdulkerim Simsek, Sohn des ersten NSU-Mordopfers Enver Simsek, am Dienstag in München. Simsek kritisierte scharf, dass noch immer Akten des Verfassungsschutzes geheim gehalten würden. „Da gibt es offenbar einige Sachen zu vertuschen.“
Gamze Kubasik, Tochter des Dortmunder NSU-Mordopfers Mehmet Kubasik, nannte den heute nach fünf Jahren zu Ende gehenden Prozess „eine Enttäuschung“. Sie habe sich von dem Prozess eine wie auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprochene hundertprozentige Aufklärung gewünscht. „Jetzt gibt es eine große Lücke in mir.“
Kubasik forderte, dass weitere Helfer jenseits der fünf Angeklagten des NSU-Prozesses nun auch angeklagt werden. Sie wolle nicht weiter das Gefühl haben, jeden Tag auf der Straße weiteren Tätern zu begegnen. Sie wolle auch wissen, wie genau ihr Vater als Opfer ausgewählt wurde.