Seefeld – Ein Dopingskandal hat die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Seefeld erschüttert. Das österreichische Bundeskriminalamt nahm am Rande der Wettbewerbe gestern insgesamt sieben Personen fest, darunter fünf Athleten. Parallel dazu wurden bei Ermittlungen in Erfurt der deutsche Sportmediziner Dr. Mark Schmidt sowie ein mutmaßlicher Komplize in Haft genommen. Insgesamt gab es 16 Hausdurchsuchungen.
Bei den betroffenen Spitzensportlern handelt es sich um die beiden österreichischen Langläufer Dominik Baldauf und Max Hauke, die im Teamsprint Platz sechs belegt hatten, sowie zwei Esten und einen Kasachen. Einer der Athleten, dem Vernehmen nach einer der Österreicher, wurde von den Ermittlern auf frischer Tat ertappt und mit einer Eigenbluttransfusion im Arm angetroffen. Das BKA sprach in einer Mitteilung von der „Zerschlagung eines weltweit agierenden Netzwerks“.
Der Deutsche Skiverband war in die Razzien und Untersuchungen nicht involviert, wie ein Sprecher bestätigte. Es seien weder deutsche Sportler noch das Umfeld oder Mannschaftsärzte betroffen. Der in Erfurt festgenommene Mediziner betreute früher das Radsportteam Gerolsteiner. Gemeinsam mit seinem Komplizen sei er „dringend verdächtig, seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen“, erklärte das BKA.
Auslöser der Ermittlungen, die den Namen „Operation Aderlass“ tragen und vom BKA sowie der Staatsanwaltschaft München I durchgeführt wurden, waren die Enthüllungen des früheren Dopingsünders Johannes Dürr. Der österreichische Langläufer hatte Mitte Januar in einer ARD-Dokumentation ausführlich Dopingpraktiken im modernen Leistungssport beschrieben.