München/Berlin – In der krisengeschüttelten SPD wächst der Wunsch, alle Mitglieder bei der Auswahl der Parteispitze mitreden zu lassen. Auch eine Doppelspitze wie bei den Grünen wird diskutiert. „Ich habe große Sympathien für eine Doppelspitze, also einen Mann und eine Frau, die aus verschiedenen Regionen kommen“, sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende Natascha Kohnen. Sie brachte ins Spiel, alle Parteimitglieder über die Kandidaten abstimmen zu lassen.
Der SPD-Vorstand will am 24. Juni das Verfahren festlegen. Nach dem Rücktritt von Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles führen übergangsweise Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel die Partei. Alle drei streben aber nicht den Vorsitz an.
Kohnen stellte den Fortbestand der Großen Koalition infrage, forderte aber kein sofortiges Ende. Parteiintern gilt als wahrscheinlichste Lösung, bis zum geplanten Parteitag im Dezember in der Regierung zu bleiben. „Wenn man Beteiligung ernst nimmt, sollte man die Übergangsphase nutzen, um die unterschiedlichen Fragen zu klären“, sagte Übergangschef Schäfer-Gümbel. „Vorstellbar ist alles Mögliche: Regionalkonferenzen, Mitgliederentscheid, Vorwahlen. Es gibt im Moment kein Denkverbot.“ Baden-Württembergs SPD-Landesverband mahnte, auf keinen Fall dürfe die Parteiführung „im Hinterzimmer ausgekungelt werden“. Der mitgliederstarke NRW-Landesverband pochte auf Mitsprache der Parteibasis. Der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel regte Vorwahlen wie in Frankreich oder den USA an. Hier können auch Nichtmitglieder Spitzenkandidaten auswählen. cd/afp