Sparern drohen Negativzinsen

von Redaktion

Stadtsparkasse München: Einführung nach EZB-Entscheid möglich

München – Nach der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Geldpolitik noch einmal verschärfen zu wollen, werden Negativzinsen auf Bankguthaben immer wahrscheinlicher. „Sollte der Einlagenzins der EZB von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent oder sogar noch weiter runtergehen, wird sich früher oder später jedes Institut mit diesem Thema auseinandersetzen müssen und wahrscheinlich nicht mehr umhinkommen, das den Kunden in Rechnung zu stellen“, sagte der Chef der Stadtsparkasse München, Ralf Fleischer, unserer Zeitung. Allein vergangenes Jahr hätte die Stadtsparkasse Negativzinsen in Höhe von 13 Millionen Euro bezahlt. „Wenn dieser Zug jetzt weitergeht und aus 13 Millionen einmal 20 oder sogar noch mehr werden, dann können wir das irgendwann nicht mehr abfangen.“ Für Kleinsparer seien im Fall von Negativzinsen aber Freibeträge für Guthaben bis 50 000 Euro oder 100 000 Euro denkbar.

Mit der Stadtsparkasse wagt sich nun erstmals ein großes Geldhaus in Deutschland aus der Deckung. Das Münchner Institut ist die fünftgrößte Sparkasse in Deutschland und die größte in Bayern. Bislang haben vor allem kleinere Banken – wie beispielsweise die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee – Negativzinsen für Privatkunden eingeführt, verbunden mit hohen Freibeträgen. Auch viele Firmen und Kommunen zahlen bereits Strafzinsen auf Guthaben. Laut dem Verbraucherportal „Biallo“ erheben derzeit 112 Geldhäuser in Deutschland Negativzinsen von einem Teil ihrer Kunden.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte Ende Juli eine weitere Lockerung der Geldpolitik angedeutet („alle Instrumente sind auf dem Tisch“). Am 12. September will der EZB-Rat über mögliche weitere Zinsschritte entscheiden. sh

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