München – Die Verbraucher in Deutschland rücken immer mehr von ihrer einstigen Vorliebe für das Bargeld ab. Einzelhandel und Bezahlbranche erwarten für die nächsten Jahre eine rasche Verbreitung digitaler Zahlverfahren – besonders über das Handy.
„Die Entwicklung ist am Anfang und wird sich stark beschleunigen“, sagt Ulrich Binnebößel, der beim Handelsverband HDE sowohl für Bargeld als auch für neue Zahlungssysteme zuständig ist. Der Zahlungsdienstleister Wirecard geht davon aus, dass das Smartphone zum dominanten Zahlungsmittel werden wird: „Das ist der logische Weg“, sagt Susanne Steidl, die Produktchefin im Vorstand des Dax-Konzerns. „Das Mobiltelefon ist die Identifikation des Menschen.“
Zahlungen per Karte sind in Deutschland lange verbreitet, doch bei mobilen Bezahl-Apps waren die Deutschen bislang zögerlich. In Deutschland nutzten 25 Prozent der Verbraucher mobile Zahlverfahren, in den Niederlanden bereits mehr als die Hälfte, heißt es in einer unlängst veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung PwC. Doch das Bild ändert sich rapide: Die Daten der Bundesbank zeigen, dass die Verbraucher immer häufiger zu Karte oder Handy greifen: 2014 wurde in Deutschland 3,4 Milliarden Mal elektronisch bezahlt – sowohl an Kassen als auch bei Einkäufen im Internet. 2018 waren es bereits 5,3 Milliarden elektronische Bezahlvorgänge.
„Die Kunden orientieren sich neu und setzen ihre Karten für immer kleinere Beträge ein“, meint HDE-Experte Binnebößel. Die Ladenkasse werde aber vorerst nicht verschwinden, sondern unterschiedliche Bezahlverfahren nebeneinander existieren.