Flüchtlinge: Erdogan droht EU

von Redaktion

Präsident erbost: „Dann kommen 3,6 Millionen Menschen zu euch“

Ankara – Nach lauter Kritik an der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien hat Präsident Recep Tayyip Erdogan der EU gedroht, die Grenzen für syrische Flüchtlinge zu öffnen. „Hey EU, wach auf! Ich sage erneut: Wenn ihr unsere Operation als Invasion darzustellen versucht, ist unsere Aufgabe einfach: Wir werden die Türen öffnen und 3,6 Millionen Menschen werden zu euch kommen“, sagte er am Donnerstag in Ankara.

Erdogan hat schon mehrfach gedroht, die Grenzen für die 3,6 Millionen syrischen Flüchtlinge in der Türkei zu öffnen. Nun warf er der EU erneut vor, die Versprechen aus dem Flüchtlingsdeal von 2016 nicht einzuhalten. „Nun sagen sie, dass sie uns die drei Milliarden Euro vorenthalten werden. Habt ihr jemals eure Versprechen an uns eingehalten? Nein.“

In dem Deal hatte die EU zugesagt, insgesamt sechs Milliarden Euro für die Versorgung der Flüchtlinge in der Türkei zu zahlen, wenn Ankara die Menschen dafür an der Überfahrt auf die griechischen Ägäis-Inseln hindert. Nach EU-Angaben wurden bisher 2,6 Milliarden Euro ausgezahlt.

Die Türkei hatte am Mittwoch eine Offensive gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nordsyrien begonnen. Erdogan sagte, es seien bisher „109 Terroristen“ getötet, verletzt oder gefangen genommen worden. Man wolle „die Errichtung eines Terrorstaats an unserer südlichen Grenze“ verhindern.

Die EU-Staaten hatten die Offensive scharf kritisiert. Die Türkei gefährde die Stabilität in der Region und die Erfolge im Kampf gegen den IS. Bei den Vereinten Nationen forderte Deutschland die Türkei gestern erneut auf, die Militäroffensive einzustellen.

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