München – Nach jahrelangem Boom sehen Bayerns Baufirmen schlechtere Zeiten auf sich zukommen. Zwar ist die Baubranche derzeit noch gut ausgelastet, doch die Erwartungen für das kommende Jahr sind trüber. Das sagte Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Landesverbands der Bauinnungen. Weniger als die Hälfte von 400 befragten Bauunternehmen erwartet auch 2020 noch gute Umsätze.
Für die Bürger bedeutet das unter anderem, dass der Wohnraum in den Großstädten knapp und teuer bleiben wird. Von Januar bis Ende Juli ging die Zahl der Baugenehmigungen für neue Wohnungen in Bayern bereits um fast vier Prozent zurück – in den Großstädten lag das Minus laut Statistikamt sogar bei 30 Prozent.
Nach Einschätzung der Branche würde das Wohnungsproblem noch verschärft werden, wenn die Staatsregierung ihren Plan umsetzt, den Flächenverbrauch bis 2030 von zwölf auf fünf Hektar am Tag zu reduzieren. „Die Reduzierung um rund 60 Prozent wird Bauland künstlich verknappen, und es wird noch teurer“, sagte Josef Geiger, Präsident des Bauindustrieverbands. „Wenn ich mir vorstelle, wie sowas in der Praxis umgesetzt werden soll, dann graust es mir.“
„Wir müssen die Schlagzahl auf dem Wohnungsmarkt weiterhin hoch halten“, sagte dagegen Bauminister Hans Reichhart (CSU) unserer Zeitung. Deshalb schaffe man mit der Reform der bayerischen Bauordnung jetzt die Voraussetzungen, dringend benötigte Wohnungen auch bei einem Abkühlen der Konjunktur zu bauen. „Genehmigungen sollen deutlich schneller und spätestens nach 90 Tagen vorliegen. In Zeiten von knappem Bauland wollen wir zudem den Dachausbau verfahrensfrei stellen und setzen uns für steuerliche Vergünstigungen bei Aufstockungen ein“, sagte Reichhart. Hier gebe es großes Potenzial für mehr Wohnraum ohne Flächenverbrauch. dpa/mik