Berlin – Trotz der Zunahme der Flüchtlingsüberfahrten auf die griechischen Inseln ist die Zahl der Abschiebungen in die Türkei eingebrochen. Nur 189 Migranten seien letztes Jahr im Zuge des EU-Türkei-Abkommens aus Griechenland zurückgeführt worden, geht aus einem der „Welt am Sonntag“ vorliegenden Bericht der EU-Kommission hervor. Auf den griechischen Inseln landeten 2019 hingegen etwa 60 100 Menschen – weit mehr als zuvor.
Die Kommission zählte seit 2016 insgesamt 1995 Rückgeführte. Im Gegenzug wurden 25 660 Syrer aus der Türkei legal in die EU geflogen. Der für Migration zuständige Unionsfraktionsvize Thorsten Frei (CDU) kritisierte die Türkei: Die schlechte Situation auf den griechischen Inseln habe „unverkennbar damit zu tun, dass die Türkei Ablandungen nicht mehr konsequent unterbindet“. Frei warf jedoch auch der Regierung in Athen ein „Verwaltungsversagen“ vor.
Die EU und die Türkei hatten in ihrem sogenannten Flüchtlingsdeal 2016 erklärt, die „irreguläre Migration aus der Türkei nach Griechenland beenden“ zu wollen. Für jeden abgeschobenen Syrer sollte demnach ein syrischer Flüchtling aus der Türkei legal in die EU geflogen werden.
Am Freitag hatte der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis gesagt, sein Land wolle zusätzliche EU-Mittel beantragen, unter anderem für den Bau neuer Flüchtlingsunterkünfte auf den Inseln. Mehr Geld und Personal seien auch notwendig, um die Prüfung von Asylanträgen zu beschleunigen. afp/dpa