Hanau – Deutschland trauert um die Opfer des mutmaßlich rechtsextremistischen Anschlags auf zwei Shisha-Bars in Hanau. Neun der elf Toten haben nach Angaben des Generalbundesanwalts Peter Frank einen Migrationshintergrund. Ein 43-jähriger Hanauer soll am späten Mittwochabend in zwei Shisha-Bars neun Menschen erschossen haben. Die Polizei fand den Mann nach der Tat tot in dessen Wohnung auf, ebenso wie dessen Mutter (72). Sechs Menschen, darunter fünf mit Migrationshintergrund, seien verletzt worden.
Auf der Internetseite von Tobias R. befanden sich laut Generalbundesanwalt Videobotschaften und ein Manifest, die „wirre Gedanken und Verschwörungstheorien“ enthielten und eine „zutiefst rassistische Gesinnung“ offenbarten.
Politiker aller Parteien verurteilten den Mordanschlag. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reiste nach Hanau, um dort auf einer Mahnwache am Marktplatz zu sprechen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von „entsetzlichen Morden“. „Rassismus ist ein Gift, der Hass ist ein Gift.“ Dieses Gift sei „schuld an schon viel zu vielen Verbrechen“. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kündigte in Hanau an, mit den Innenministern der Länder über erhöhte Sicherheitsvorkehrungen an den Karnevalstagen zu beraten.
Auch für Berlin wurde am Abend eine parteiübergreifende Mahnwache am Brandenburger Tor angekündigt.
Der 43-jährige Täter, ein Deutscher, hat Bezüge zu Bayern. Er hat bis 2006 in Bayreuth studiert und wohnte einige Zeit in München, hieß es in Sicherheitskreisen. Zuletzt habe er sich 2018 in Oberbayern aufgehalten. Es habe damals keine Erkenntnisse gegeben, dass der Mann ein Extremist sei. Die Staatsregierung ordnete auch in Bayern bis heute eine zweitägige Trauerbeflaggung an. Faschingsveranstaltungen wurden am Donnerstag abgesagt.