Haft für falschen Polizisten

von Redaktion

Trickbetrüger erbeuten bei Senioren fast 800 000 Euro

Traunstein/Rosenheim – Die Täter gaben sich als Polizisten aus und brachten so alte, teils gebrechliche Menschen in Rosenheim, München, Worms und Norddeutschland um Vermögenswerte von fast 800 000 Euro. Ein 34 Jahre altes Bandenmitglied verurteilte die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs nun zu acht Jahren Freiheitsstrafe sowie Unterbringung zum Drogenentzug. Zwei Mitangeklagte, die den „Abholer“ zu den insgesamt acht Tatorten gefahren hatten, bekamen wegen Beihilfe drei Jahre Haft beziehungsweise 18 Monate auf Bewährung.

Mit einem Fall in Rosenheim, wo ein Seniorenpaar im Februar 2019 dem „Abholer“ 49 Goldmünzen im Wert von 13 000 Euro vor die Haustür stellte, begann die Aufklärung der kriminellen Serie. Den durchwegs über 80 Jahre alten Geschädigten wurde zumeist vorgespiegelt, Einbrecher seien in der Nähe und hätten es auf ihre Wertsachen abgesehen. Deshalb werde ein „Polizeibeamter“ vorbeikommen, um Bargeld, Münzen, Schmuck und andere Wertsachen in Sicherheit zu bringen.

Kriminalbeamte am Präsidium Oberbayern Süd konnten nach dem Betrug in Rosenheim weitere Fälle im Bundesgebiet dem immer gleichen „Abholer“ zuschreiben. Der führerscheinlose Mechatroniker aus Bremen hatte sich siebenmal von einer 32 Jahre alten Bekannten, einmal auch von einem 34-jährigen Jugendfreund quer durch die Republik chauffieren lassen.

Die kriminellen Aktivitäten brachten zwei der Opfer um Werte von jeweils rund einer Viertelmillion Euro. Das Ganze seien „schäbige Straftaten“, sagte der Vorsitzende Richter: Opfer müssten am Existenzminimum vor sich hinvegetieren, weil man ihnen alles genommen habe. Erich Fuchs zeigte sich überzeugt, dass der 34-Jährige als „Abholer“ der gewerbsmäßigen Betrugsbande voll informiert und eingebunden gewesen sei in das System.

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