München – Der Chefarzt der Infektiologie in der München Klinik Schwabing, Professor Dr. Clemens Wendtner, warnt davor, die Einschränkungen im öffentlichen Leben wegen des Coronavirus zu früh zurückzunehmen. „Erst wenn die aktuellen Maßnahmen positive Auswirkungen auf die Zahl der Neuinfizierten zeigen, können erste Lockerungen ins Auge gefasst werden“, sagte Wendtner unserer Zeitung. Momentan ist dieser Wendepunkt nach Einschätzung des Mediziners, der auch die Staatsregierung berät, noch nicht erreicht: „Wir kümmern uns um eine weiter steigende Zahl von Patienten.“
Gleichzeitig bekräftigte Wendtner, dass das Virus nicht nur alten Menschen mit Vorerkrankungen schwer zusetzt: „Wir sehen nach wie vor auch jüngere Patienten.“ Man habe im Kampf gegen Corona „noch große Aufgaben“ vor sich. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach in Berlin skeptisch von einer „Ruhe vor dem Sturm“.
Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) äußerte sich auf Twitter ähnlich: „Solange das Virus so wütet, ist der Schutz der Menschen alternativlos.“ Wirtschaftliche Interessen dürften bei der Exit-Strategie nicht überwiegen. Die Funktionsfähigkeit wiederherzustellen „unter Inkaufnahme von vielen Toten oder auch Kranken, scheidet für mich aus. Nicht mit mir.“
Der Städte- und Gemeindebund appellierte dagegen an Bund und Länder, Strategien für eine Lockerung der Maßnahmen zu entwickeln. „Langfristig können wir nicht das gesamte Land lahmlegen“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Funke-Mediengruppe. Die Politik müsse jetzt überlegen, wann und unter welchen Voraussetzungen die Einschränkungen gelockert werden könnten. bez/mb