Wettlauf zur „Alpenfestung“

von Redaktion

Rückblick: Amerikaner besetzten Rosenheim fast kampflos

Rosenheim – Vor 75 Jahren herrschte Panik in der Region Rosenheim. In fünfeinhalb Jahren Krieg sind bereits rund 650 Rosenheimer gefallen, weitere 200 sind im Bombenhagel gestorben. Nun droht der Stadt die Apokalypse. Denn die US-Armee nähert sich im Eiltempo.

Am 11. April hat sie Würzburg erobert, am 20. April Nürnberg, am 30. April München. Am Abend des 1. Mai stehen US-Soldaten vor der Stadt. Sie wollen über den Inn. Gegenwehr werden sie mit äußerster Gewalt brechen. Sie haben Grund für ihr Tempo. Sie wollen verhindern, dass sich Hunderttausende fanatischer SS-Leute und Wehrmachtssoldaten für einen blutigen Endkampf in den Gebirgen Oberbayerns und Tirols verschanzen. Es ist der Wettlauf um die „Alpenfestung“.

Nicht wenige Rosenheimer verziehen sich vorsichtshalber aufs Land und in die Berge. Sie können schnell zurückkehren. Denn Rosenheim hat Glück. Das Tempo des Vorstoßes, die haushohe Überlegenheit der Angreifer und die Erschöpfung der Deutschen verhindern den Kampf.

In der Nacht auf den 2. Mai hören die Rosenheimer Schüsse, dann das Knirschen von Panzerketten: Um 4 Uhr morgens, fahren US-Panzer in Rosenheim auf, eine Stunde später haben die Sieger alle wichtigen Punkte besetzt. Der letzte Tote ist ein SS-Mann. In die Enge getrieben, hatte er das Feuer eröffnet. Die GIs machen kein Federlesens. „Gott hat uns behütet“, dankt Josef Bernrieder, Stadtpfarrer in St. Nikolaus-Rosenheim. Und Pfarrkurat Andreas Rapp schreibt aus Großkarolinenfeld: „Die schweren Wunden des Krieges zu heilen, wird Aufgabe des priesterlichen Arztes für lange Zeit sein.“      we » REGION, SEITE 22

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