München – Eine bundesweit einzigartige Studie in München gibt einen ersten Einblick in die Dunkelziffer der Corona-Erkrankungen. Bis zu fünf Prozent könnten mit dem Virus infiziert worden sein, ohne Symptome gehabt zu haben. Diese Schätzung kann aus den Zwischenergebnissen der Studie „Prospektive Covid-19 Kohorte München“ geschlossen werden.
„Aktuell halten wir an unserer ursprünglichen Schätzung fest, dass die Infektionsrate im unteren einstelligen Prozentbereich liegt“, sagte Studienleiter Prof. Michael Hölscher. Die offizielle Infektionsrate auf Grundlage der bestätigten Meldungen liegt in München bei 0,44 Prozent. Experten sagen: Erst wenn etwa 60 Prozent aller Bürger mit dem Virus infiziert waren, könnte eine Art Grund-Immunität erreicht sein – was viel stärkere Lockerungen ermöglichen würde.
Bayern setzt derweil seine zurückhaltende Linie bei den Lockerungen fort. Die in Niedersachsen per Gericht gekippte generelle Quarantänepflicht für alle Menschen, die aus dem Ausland einreisen, gilt in Bayern vorerst unverändert weiter, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).
Das Robert-Koch-Institut teilte mit, man werde den R-Wert, der die Ansteckungslage mit dem Coronavirus darstellen soll, nochmals modifizieren. Das RKI will künftig zusätzlich einen sogenannten geglätteten R-Wert mitteilen, bei dem Schwankungen besser ausgeglichen würden. Dies sei besser geeignet, um längerfristige Trends abzubilden. Dieser lag laut Institut vergangene Woche an keinem Tag über 1. Der bisher mitgeteilte R-Wert hatte die entscheidende Zahl 1 aber zuletzt mehrfach überschritten. mm