Kommt Steuersenkung später?

von Redaktion

In der Wirtschaft wachsen die Zweifel am Starttermin 1. Juli

München – Die geplante Senkung der Mehrwertsteuer zum 1. Juli soll die Konjunktur belebten und damit der Wirtschaft aus der Corona-Krise helfen. Doch zunächst stellt sie die Betriebe vor eine enorme bürokratische Herausforderung. Bei Verbänden und Steuerberatern mehren sich die Zweifel, ob der Termin zu halten ist. Der Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holzapfel, nannte das Vorhaben „sehr, sehr ambitioniert“. Zudem sei der Zeitraum von nur einem halben Jahr viel zu eng. Er plädierte im „Bild“-Talk dafür, die Senkung später in Kraft zu setzen und sie dann für ein Jahr laufen zu lassen.

Kassensysteme, Preislisten, IT und die Finanzbuchhaltung müssen binnen drei Wochen umgestellt werden. „Ohne Vereinfachungen und Übergangslösungen wird das schwierig“, sagte Martin Clemens, Referatsleiter für Steuern und Finanzen bei der IHK für München und Oberbayern. „Alle Warenwirtschafts- und Buchhaltungssysteme müssen umgestellt und die Steuersätze angepasst werden“, warnte Hartmut Schwab, Präsident der Bundessteuerberaterkammer, in der „Welt“. „Das ist kaum zu schaffen.“

Vor allem für kleine Betriebe, die niedrigpreisige Produkte verkaufen, wie Bäckereien oder Metzgereien, wird es schwierig. Schließlich muss für die Dauer von sechs Monaten jede Waage und jede Kasse umgestellt werden. Die Hersteller der Kassensysteme hätten oft gar nicht mehr die Kapazitäten, um das zu bewerkstelligen, berichtet Lars Bubnick, Geschäftsführer des Fleischerverbandes Bayern.

Die Bundesregierung macht indes Dampf. Sie will die Mehrwertsteuer-Senkung schon am Freitag bei einer außerplanmäßigen Kabinettssitzung auf den Weg bringen.

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