Berlin – Nach jahrelangen Rentensteigerungen könnte die Erhöhung der Altersbezüge im kommenden Jahr wegen der Coronakrise im Westen Deutschlands ausfallen. Im Osten wird es wohl eine Mini-Anhebung um 0,7 Prozent geben.
Außerdem dürften nach Einschätzung von Alexander Gunkel, Vorstandsvorsitzender der Rentenversicherung, wohl ab 2022 die Beiträge steigen. Zum letzten Mal fiel die Rentenerhöhung 2010 aus – im Jahr nach der Finanzkrise. Seitdem stiegen die Renten jedes Jahr, zum Teil kräftig. Auch ab Juli 2020 bekommen die 21 Millionen Rentner mehr Geld: im Osten 4,2 und im Westen 3,45 Prozent. Grundlage für die Anpassung ist unter anderem die Lohnentwicklung im Vorjahr.
Die Annahmen gingen für 2020 von sinkenden Durchschnittslöhnen und einer niedrigeren Zahl an Beitragszahlern aus, sagte Gunkel mit Blick auf die Coronakrise. Rentenkürzungen sind durch eine Schutzklausel allerdings gesetzlich ausgeschlossen. Den voraussichtlich leichten Anstieg im Osten erklärt die Rentenversicherung mit der sogenannten Angleichungstreppe: Bis 2024 wird der Rentenwert im Osten schrittweise an den im Westen angepasst, bis er gleich hoch ist. Eine endgültige Entscheidung über die Rentenanpassung zum 1. Juli 2021 fällt erst nächstes Jahr, die Bundesregierung legt sie durch eine Verordnung fest.
Auch die Beiträge dürften durch Corona früher steigen. Laut Vorausberechnung bleibe der Beitragssatz zwar 2021 konstant bei 18,6 Prozent, sagte Gunkel. Das Niveau wird aber nicht, wie noch vor Corona angenommen, bis 2024 zu halten sein. Laut Gunkel könnten 20 Prozent schon 2025 erreicht sein.