München – Eine Bundesbehörde schlägt wegen veralteter Bahnstrecken Alarm. In Deutschland gibt es 53 eingleisige Strecken, auf denen unfreiwillige Begegnungen von Zügen technisch nicht verhindert werden können, schreibt die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) in einem Bericht, der unserer Zeitung vorliegt. Die Behörde, die dem Verkehrsministerium untersteht, hatte eine Beinahe-Kollision zweier Züge nahe Garmisch-Partenkirchen untersucht. Am 22. Januar dieses Jahres waren bei Griesen zwei Regionalbahnen fast zusammengestoßen. Es fehlten nur 20 Meter, stellt die BEU jetzt fest. Nur die Schnellbremsung eines Lokführers verhinderte eine Katastrophe.
Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) nannte es „völlig unverständlich“, dass es noch DB-Strecken ohne technische Sicherung gebe. Sie werde „auf eine zeitnahe entsprechende technische Ausrüstung drängen“. Denn die BEU stellt in ihrem Bericht fest, dass auf der eingleisigen Strecke Garmisch-Partenkirchen bis Reutte in Tirol die Züge nur durch Fahrdienstleiter koordiniert werden. Es gebe keinen „technisch realisierten Folge- und Gegenfahrschutz“. Das sei aber keine Seltenheit, heißt es weiter. Durch DB Netz würden daneben 52 weitere derartige Bahnstrecken in Deutschland betrieben. Auf Anfrage unserer Zeitung weigerte sich die BEU, diese Strecken zu nennen. Sie listet aber auf, dass es dort insgesamt 900 Zugfahrten täglich gebe. Jährlich summiere sich das auf 330 000 Zugfahrten.
Aus Bahn-Kreisen hieß es, im Fall Griesen sei jetzt der Bau eines elektronischen Stellwerks im Gespräch. Das müsse erst finanziert werden. dw