Russland erlaubt ersten Impfstoff

von Redaktion

„Sputnik-V“ wird sofort eingesetzt – Experten: Unverantwortlich

Moskau – Russland hat als erstes Land einen Impfstoff gegen das Coronavirus für die breite Anwendung in der Bevölkerung zugelassen. „Das russische Vakzin gegen das Coronavirus ist effektiv und bildet eine beständige Immunität“, sagte Kremlchef Wladimir Putin im Staatsfernsehen. Es trägt den Namen „Sputnik-V“ und soll an den ersten Satelliten im All erinnern, den die Sowjetunion 1957 gestartet hatte.

Allerdings stehen wichtige Tests des neuen Wirkstoffes noch aus, weder die Wirksamkeit noch die Nebenwirkungen lassen sich derzeit fundiert beurteilen. Eine seiner beiden Töchter habe sich schon impfen lassen, sagte Putin. Bei ihr seien nach der ersten Injektion 38 Grad Fieber gemessen worden, das aber rasch wieder gesunken sei. „Sie fühlt sich gut.“

Dem Gesundheitsministerium in Moskau zufolge soll eine Phase-III-Studie mit 2000 Freiwilligen parallel mit der Zulassung des Präparats beginnen. Die Bevölkerung soll unterdessen schon geimpft werden – zunächst Ärzte und Lehrer, nach Behördenangaben noch im August oder ab September. Der Impfstoff wurde vom staatlichen Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau entwickelt. Weltweit gibt es mittlerweile mehr als 170 Projekte, bei denen unter Hochdruck nach Corona-Impfstoffen gesucht wird.

International warnen Experten vor zu großer Eile. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, kritisierte Russland scharf. „Die Zulassung eines Impfstoffs ohne die entscheidende dritte Testreihe halte ich für ein hochriskantes Experiment am Menschen“, sagte Reinhardt. Das sei „unverantwortlich“. dpa/afp/mm

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