München – Berlin zieht Deutschland wirtschaftlich nach unten – anders als die Hauptstädte in den meisten anderen EU-Ländern. Ohne Berlin läge das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf um 0,2 Prozent höher, hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW).
Die Wissenschaftler hatten für den europaweiten Vergleich die jüngsten Daten des Europäischen Statistikamts Eurostat für das Jahr 2017 ausgewertet. Demnach spielen viele Hauptstädte in der EU auch wirtschaftlich eine herausragende Rolle und treiben die Wirtschaftsleistung pro Kopf nach oben. Unter den untersuchten Staaten hängt Griechenland am meisten von seiner Hauptstadt ab. Ohne Athen würde die Wirtschaft des Landes um 19 Prozent schrumpfen. Frankreich wäre ohne Paris 16 Prozent ärmer, Dänemark wäre ohne Kopenhagen 14 Prozent schwächer.
Das IW erklärt die schwache Position Berlins mit der Historie: Deutschland sei föderalistisch organisiert und verfüge über viele ökonomisch starke Zentren. „Das ist eigentlich ein wirtschaftlicher Vorteil von Deutschland“, sagt IW-Ökonom und Datenanalyst Henry Goecke dem Portal „t-online“.