Berlin – Stark Übergewichtige werden nach der von der Bundesregierung geplanten neuen Reihenfolge früher geimpft. Sie sollen den Astrazeneca-Impfstoff erhalten, der wegen der schlechten Datenlage in dieser Altersgruppe vorerst nicht an über 65-Jährige verabreicht werden soll, berichtet der „Tagesspiegel“ mit Bezug auf einen Referentenentwurf.
Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) hatte zuvor an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) appelliert, stark Übergewichtige in die Priorisierungsliste aufzunehmen: Es gebe derzeit zwar keine Hinweise, dass diese ein erhöhtes Risiko für Corona-Infektionen haben. Jedoch „scheint Adipositas der wesentliche Risikofaktor für Beatmungspflichtigkeit, schwere Verläufe und eine erhöhte Covid-19-Sterblichkeit zu sein“, so Stefan Engeli, Oberarzt und DAG-Tagungsleiter.
Früher geimpft werden demnach zudem Krebskranke, Menschen mit schweren Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, Leberzirrhose und anderen chronischen Leber- oder Nierenerkrankungen. Sie rücken alle in die zweithöchste Impf-Gruppe auf, zu der auch über 70-Jährige gehören. Für heftige Diskussionen sorgt die neue Impf-Reihenfolge unter Mitarbeitern, die in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen arbeiten oder auf Intensiv- und Coronastationen. Denn auch in dieser Gruppe sollen künftig alle unter 65-Jährigen mit dem laut Studien nur zu 70 Prozent wirksamen Astrazeneca-Serum geimpft werden.
Enttäuscht sind auch Polizisten, Lehrer und Erzieher, deren Forderungen nach einer Höherstufung dem Papier zufolge nicht erhört wurden. Für Bayern ist das weiterhin im Gespräch. kr